Seit Wochen im KrankenhausEigener Gouverneur setzt gestürzten Senator McConnell unter Druck

Mitte Juli lässt US-Senator McConnell aus dem Krankenhaus mitteilen, dass er auf dem Weg der Besserung sei. Die Spekulationen über den Gesundheitszustand des angeschlagenen Abgeordneten aus Kentucky reißen aber trotzdem nicht ab. Nun stellt selbst der Gouverneur eine Forderung an McConnell.
Der Gouverneur des US-Bundesstaats Kentucky, Andy Beshear, fordert in einem Brief an Senator Mitch McConnell und dessen Mitarbeiter, dass sich der Republikaner entweder mündlich an seine Wähler wendet oder sein Mandat niederlegt. Der 84-jährige McConnell, der Kentucky im US-Senat vertritt, wurde vor mehr als 40 Tagen ins Krankenhaus eingeliefert. Seitdem gibt es von dem Politiker nur Fotos, die von seinem Büro veröffentlicht wurden.
Seit 43 Tagen habe McConnell keinmal im Senat abgestimmt, keine offiziellen Termine wahrgenommen "und abgesehen von zwei Fotos und den dazugehörigen Erklärungen keinerlei Anstrengungen unternommen", mit seinen Wählern in Kentucky oder der Nation in Kontakt zu treten, heißt es in dem Brief.
"Wenn er ein 17-minütiges Gespräch mit seinem Schützling führen kann, kann er auch bei jedem Ihrer Nachrichtensender für drei Minuten anrufen", sagt Gouverneur Beshear laut US-Medien über seinen Brief. "Wir bitten lediglich um einen kleinen Beweis." Republikanische Kollegen hatten in den vergangenen Wochen von längeren Telefongesprächen mit McConnell berichtet. Es gibt aber keine Beweise dafür, dass der Senator zu solchen Gesprächen überhaupt in der Lage ist.
Spekulationen um McConnell halten an
Beshear schickte den Brief laut eigenen Angaben auch an den Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat, John Thune, und forderte ihn auf, McConnells Fähigkeit zu prüfen, sein Amt auszuüben. "Ich verstehe den Wunsch jedes Einzelnen nach Privatsphäre, aber wenn man für ein Amt kandidiert und als einer der beiden US-Senatoren eines Bundesstaates tätig ist, verzichtet man freiwillig auf einen Großteil seiner Privatsphäre", heißt es in dem Brief. "So ist der Deal, und das wissen wir alle, wenn wir kandidieren."
Die lange Abwesenheit des früheren Anführers der Republikaner im Senat schürt seit Wochen Spekulationen. McConnell war Mitte Juni wegen eines Sturzes ins Krankenhaus gekommen. Rund einen Monat später ließ er über sein Büro mitteilen, er habe keine schweren Verletzungen erlitten, sei aber kurz bewusstlos gewesen. Im Krankenhaus habe er noch mit einer Lungenentzündung zu tun gehabt, die aber mild verlaufen sei. "Ich hatte weder einen Herzinfarkt noch einen Schlaganfall. Ich habe weder Tumore noch Blutungen", teilte McConnell mit.
Der Republikaner sorgte bereits in der Vergangenheit mit gesundheitlichen Problemen für Schlagzeilen. 2023 etwa war er während eines privaten Abendessens in einem Hotel in Washington gestürzt. Er zog sich eine Gehirnerschütterung zu und wurde deshalb in einem Krankenhaus behandelt. In der Folge hatte er Aussetzer bei Pressekonferenzen. Das schürte Sorgen um seinen Gesundheitszustand.
Gouverneur Beshear schließt seinen Brief mit den Worten: "All diese Spekulationen und sogar dieser Brief hätten mit einem Mindestmaß an Transparenz vermieden werden können", und fügt hinzu: "Die Einwohner von Kentucky bitten Sie lediglich darum, ehrlich zu sein." Nach dem Recht des Bundesstaates werden freie Sitze im Senat - die durch Rücktritt, Ausschluss oder Tod entstehen können - durch eine Sonderwahl besetzt.