Politik

Schwieriger Besuch bei Scholz Emir von Katar bringt Gas und fordert Respekt

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Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani und Kanzler Olaf Scholz traten am Nachmittag vor die Presse - dabei musste der Gast auch schwierige Fragen zur Fußball-WM beantworten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Deutschland möglichst schnell auf russisches Gas verzichten will, steigt Katar zu einem der wichtigsten Partnerländer auf. Nun besucht der Emir den Bundeskanzler. Dabei muss er unbequeme Fragen zur kommenden Fußball-WM beantworten.

Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani ist derzeit ein gefragter Mann in Deutschland. Denn der Emir regiert mit Katar ein Land, das über eine in Zeiten des russischen Angriffskriegs wichtige Ressource verfügt: Flüssiggas (LNG). Katar ist einer der weltweit größten LNG-Exporteure, liefert bislang jedoch vor allem nach Asien. Das soll sich ändern: Die Bundesregierung schloss nun eine Energiepartnerschaft mit dem Golfstaat, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Bei seinem Deutschlandbesuch ging es aber nicht nur um Energie, sondern auch um Fußball. Das Emirat richtet im kommenden Winter die Weltmeisterschaft aus - was nicht nur unter Fans umstritten ist. Es geht um Rechte von Homosexuellen und den Arbeitern, die etwa die Stadien errichteten.

Nach den Worten von Emir Tamim Bin Hamad Al Thani sind alle Gäste willkommen - unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. "Wir hindern niemanden daran, nach Doha zu kommen", sagte der Emir nach einem Treffen mit Kanzler Olaf Scholz auf eine entsprechende Frage. "Aber wir erwarten und wollen, dass die Menschen unsere Kultur respektieren." In Katar ist Homosexualität gesetzlich verboten und wird mit Gefängnis bestraft. Es gibt dort bereits Appelle, auf das Zeigen von Regenbogenfahnen bei der WM zu verzichten.

Scholz: "Immer Raum für Verbesserung"

Die deutsche Mannschaft werde teilnehmen, erklärte Scholz auf die Frage, ob das opportun sei. Auch viele Menschen aus Deutschland würden nach Katar reisen. "Gleichwohl ist es auch so, dass wir natürlich auch Fragen, die Menschen- und Bürgerrechte betreffen, miteinander diskutiert haben und diskutieren." Das habe man nun "ganz intensiv" getan mit Bezug auf die Frage von Arbeitnehmerrechten. Katar war Ausbeutung ausländischer Arbeiter beim Bau von Anlagen für die WM vorgeworfen worden, was die Regierung zurückweist.

Scholz sagte, es habe Veränderungen wie die Einführung eines Mindestlohns gegeben und neue rechtliche Regelungen, die die Bedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbessert hätten. "Als jemand, der vom Beruf her Arbeitsrechtsanwalt ist, kann ich sagen: Da ist immer Raum für Verbesserung", fügte Scholz an. Er werde nicht vergessen, dass der eigentliche Antrieb seines politischen und sozialen Engagements der Einsatz für Arbeitnehmer gewesen sei. "Und das gilt umso mehr für alle anderen Fragen, die Bürger- und Menschenrechte betreffen."

Habeck tütet Energiepartnerschaft ein

Um die Energiepartnerschaft kümmerten sich die zuständigen Minister, Robert Habeck und Saad Sherida Al-Kaabi. Beide unterzeichneten eine Absichtserklärung für eine tiefere Zusammenarbeit. Die Energiepartnerschaft werde Deutschland durch den Bezug von Flüssiggas-Importen (LNG) aus Katar bei der Diversifizierung seiner Gasversorgung helfen und zugleich der Zusammenarbeit bei "grünem Wasserstoff" einen Schub verleihen, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Deutschland will sich wegen des Kriegs in der Ukraine von russischem Gas unabhängig machen und setzt dabei auf Lieferungen von Flüssiggas (LNG). Habeck hatte deshalb bereits im März Katar besucht.

Die deutsch-katarische Energiepartnerschaft solle den "hochrangigen Austausch" beider Regierungen zu energiebezogenen Themen fördern, Brücken zwischen beiden Ländern bauen und Akteure aus öffentlichem und privatem Sektor zusammenbringen, hieß es. Vorgesehen seien regelmäßige Treffen zwischen dem katarischen Energieministerium und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Zwei Arbeitsgruppen sollen sich um die Details kümmern.

Katar ist auch ein wichtiger Vermittler für den Westen im Umgang mit Afghanistan. Als die Taliban im vergangenen Sommer erneut die Macht in Afghanistan an sich rissen, half das Emirat auch bei der Evakuierung von Ausländern und afghanischen Ortskräften. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte damals Scheich Tamim für dessen Unterstützung. Der Emir ist trotz seines moderaten Auftretens eine umstrittene Person. So werden ihm etwa Verbindungen zu den islamistischen Muslimbrüdern nachgesagt.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 20. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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