Politik

Ton in Erdgas-Streit verschärft Erdogan: "Legen Sie sich nicht mit der Türkei an!"

So einträchtig geht es gerade nicht zwischen Erdogan (links) und Macron (rechts) zu. Vielmehr spricht der türkische Präsident eine klare Warnung aus.

So einträchtig geht es gerade nicht zwischen Erdogan (links) und Macron (rechts) zu. Vielmehr spricht der türkische Präsident eine klare Warnung aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weil Frankreichs Präsident Macron Griechenland im Erdgas-Konflikt mit der Türkei den Rücken stärkt, gibt es nun klare warnende Worte von Erdogan. Er verbitte sich jegliche Einmischung. Derweil rüstet Griechenland sein Militär auf.

Im Streit um türkische Erdgaserkundungen im östlichen Mittelmeer hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Kritik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an seiner Politik zurückgewiesen und ihn vor Einmischung gewarnt. "Legen Sie sich nicht mit dem türkischen Volk an, legen Sie sich nicht mit der Türkei an", sagte Erdogan nun in Istanbul an Macron gerichtet. "Herr Macron, Sie werden noch viel mehr Probleme mit mir haben", sagte der türkische Staatspräsident bei einer Gedenkveranstaltung zum 40. Jahrestag eines Umsturzversuches in der Türkei.

Macron hatte zuvor am Donnerstag gesagt, die Türkei sei seiner Ansicht nach kein Partner mehr in der Mittelmeerregion. "Unsere roten Linien sind einfach der Respekt vor der Souveränität eines jeden europäischen Mitgliedstaates, die Achtung des Völkerrechts", sagte Frankreichs Staatschef auf der Mittelmeerinsel Korsika bei einem informellen Gipfeltreffen von Staats- und Regierungschefs aus sieben südlichen EU-Staaten - darunter Griechenland.

Macron kritisierte das Verhalten Erdogans im Libyen-Konflikt und die Erdgaserkundungen der Türkei im östlichen Mittelmeer als "inakzeptabel". Griechenland und Zypern sind der Ansicht, dass die Bohrungen in ihren Seegebieten erfolgen und damit illegal sind. Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" hielt sich am Samstagnachmittag zunächst noch immer vor der Küste Zyperns auf, obwohl es die Gewässer eigentlich am Samstag verlassen sollte.

Griechenland rüstet auf mit Jets, Raketen und Torpedos

Währenddessen hat Griechenland ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm in die Wege geleitet. "Es wird ein nationales Schild entstehen", kündigte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis am Samstag während einer Rede in der Hafenstadt Thessaloniki an, die vom griechischen Fernsehen übertragen wurde. Athen will nach Angaben des Ministerpräsidenten 18 französische Mehrzweckjets vom Typ Rafale kaufen. Zudem sollen vier neue Fregatten angeschafft und vier weitere vorhandene Fregatten aus deutscher Produktion modernisiert werden.

Auch der Bestand an Flugabwehrraketen, Torpedos und anderer Munition werde erhöht. Darüber hinaus solle die griechische Waffenindustrie verstärkt zur Rüstung des Landes beitragen - das betrifft etwa Werften nahe Athen. Das militärische Personal wird nach den Worten von Mitsotakis ebenfalls ausgebaut: 15.000 neue Berufssoldaten sollen in den kommenden fünf Jahren eingestellt werden.

Mitsotakis betonte, Griechenland sei bereit, die Differenzen im Zusammenhang mit dem Erdgaskonflikt mit der Türkei friedlich zu lösen. Wolle die Türkei dies ebenfalls und komme es dennoch zu keiner Einigung, könne man das strittige Thema der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) vor den Internationalen Gerichtshof bringen, sagte er.

Im östlichen Mittelmeer eskaliert seit Wochen der Streit zwischen den Nato-Mitgliedern Griechenland und Türkei um Erdgas in dem Seegebiet. Griechenland wirft der Türkei vor, in der Region griechischer Inseln illegal Vorkommen zu erkunden. Die Regierung in Ankara weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, dass die Gewässer, in denen probeweise nach Erdgas gebohrt wird, zum türkischen Festlandsockel gehören.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa