Politik

"Maßlosigkeit und Grobheit" Erdogan beleidigt Macron - Paris kontert

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Sind derzeit nicht gut aufeinander zu sprechen: Erdogan (links) und Macron.

(Foto: imago/Depo Photos)

In Frankreich will man sich nach dem Mord an einem Lehrer verstärkt mit der Gefahr des Islamismus auseinandersetzen. Beim türkischen Staatschef Erdogan kommt das nicht gut an: Erneut kritisiert er Frankreichs Präsidenten Macron - und diesmal wird es sogar persönlich. Paris reagiert schroff.

Der Élysée-Palast hat empört auf die harsche Kritik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron reagiert. "Die Äußerungen von Präsident Erdogan sind inakzeptabel", sagte ein Vertreter der französischen Präsidentschaft. "Maßlosigkeit und Grobheit sind keine Methode." Erdogan müsse seinen politischen Kurs ändern, "weil er in jeder Hinsicht gefährlich ist". Der französische Botschafter in Ankara sei zu Beratungen mit Macron nach Paris zurückgerufen worden.

Erdogan hatte Macron zuvor wegen dessen Äußerungen zum Islam scharf angegriffen. Macron solle seinen "geistigen Zustand überprüfen" lassen, wetterte Erdogan in einer im Fernsehen ausgestrahlten Rede. Nach dem islamistisch motivierten Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty hatte Macron ein verschärftes Vorgehen gegen Islamisten angekündigt.

"Was kann man über ein Staatsoberhaupt sagen, das Millionen Mitglieder verschiedener Glaubensrichtungen so behandelt?", sagte der türkische Präsident. "Was hat dieses Individuum namens Macron für ein Problem mit dem Islam und Muslimen?" Bereits am Dienstag hatte Erdogan Macron vorgeworfen, Initiativen voranzutreiben, die zum Ziel hätten, Muslime "passiv", "kümmerlich" und "ängstlich" zu machen.

Macron: Langer Kampf gegen Islamismus

Macron hatte seine Landsleute zuvor auf einen langen Kampf gegen den radikalen Islamismus eingestimmt. Eine "Schlacht" müsse in den Bereichen Sicherheit, Erziehung und Kultur geführt werden, und "sie wird dauern", zitierte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch den Staatschef. Nach dem Anschlag ging die französische Polizei in Dutzenden Einsätzen gegen Menschen und Vereinigungen vor, die mutmaßlich dem islamistischen Spektrum angehören oder ihm nahestehen.

Der 47-jährige Lehrer Paty war am Freitag vor einer Woche nahe seiner Schule bei Paris von einem 18-Jährigen enthauptet worden. Der Angreifer tschetschenischer Herkunft wurde kurz danach von der Polizei erschossen. Paty hatte das Thema Meinungsfreiheit im Unterricht behandelt und dabei umstrittene Mohammed-Karikaturen verwendet.

Quelle: ntv.de, kst/AFP/dpa