Politik
Lässt sich trotz Wirtschaftskrise feiern: der türkische Präsident.
Lässt sich trotz Wirtschaftskrise feiern: der türkische Präsident.(Foto: AP)
Samstag, 11. August 2018

"Schande! Schande!": Erdogan droht USA erneut mit Bruch

Die türkische Wirtschaft befindet sich seit längerem im freien Fall, nun verdoppeln die USA auch noch die Zölle auf Stahl aus dem Land. Erdogan ist außer sich: Der türkische Präsident verschärft die verbalen Drohgebärden vom Vortag sogar noch.

Im Streit mit den USA droht der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan dem Nato-Bündnispartner mit einem Bruch. Falls sich die USA weiter respektlos verhielten, werde seine Regierung damit beginnen, "nach neuen Freunden und Verbündeten zu suchen", schrieb Erdogan in einem Gastbeitrag der "New York Times" ("NYT"). Sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, "dann könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein". Der Konflikt hat starke Auswirkungen auf die türkische Wirtschaft, die Landeswährung Lira sank zuletzt auf ein neues Tief zum US-Dollar und zum Euro. Verantwortung für den Absturz der Lira übernahm Erdogan nicht. Stattdessen dementierte er am Samstag vehement, dass die Wirtschaft des Landes in einer Krise stecke.

Video

Im Zentrum des Streits stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. "Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen Nato-Partner vor", sagte Erdogan am Samstag vor Anhängern in der Provinz Ordu am Schwarzen Meer. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

"Sie bedrohen uns"

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag angeordnet, die Zölle auf Stahl aus der Türkei von diesem Montag an auf 50 Prozent zu verdoppeln und damit die türkische Wirtschaft bewusst stark unter Druck gesetzt. Für einen Dollar wurden zeitweise 6,87 Lira fällig, zu Monatsbeginn waren es weniger als 5 Lira. "Sie bedrohen uns", sagte Erdogan in der Schwarzmeerprovinz Ordu mit Blick auf die USA. Die Türkei werde aber nicht nachgeben: "Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen." In einer weiteren Ansprache in Rize, ebenfalls am Schwarzen Meer, betonte Erdogan: "Das ist keine Wirtschaft, die bankrott geht, die untergeht oder die durch eine Krise geht. Die Türkei wird aus dieser Devisen- und Zinsspirale so bald wie möglich rauskommen."

Erdogan sagte erneut, die Lösung liege darin, die Zinsen zu senken und mehr zu produzieren. Damit stellt er sich seit Jahren diametral gegen die gängigen Wirtschaftslehre, wonach Zinserhöhungen die Währung stärken und die Inflation bekämpfen. Die Inflation hat in der Türkei inzwischen die 15-Prozent-Marke überstiegen. Erdogan sagte in Rize: "Wir wissen sehr wohl, dass es auf die Dollar, Euro oder das Gold ankommt. Das sind die Kugeln, Granaten, Raketen eines Wirtschaftskrieges, der gegen unser Land geführt wird." Er drohte damit, denen "die Hände zu brechen, die diese Waffen abfeuern".

Erdogan kündigte außerdem erneut an, den Handel mit Ländern wie China, Russland, der Ukraine und dem Iran künftig in lokalen Währungen abzuwickeln. Allerdings hat die Lira nicht nur gegen Euro und Dollar, sondern auch gegen andere Währungen an Wert eingebüßt.

Quelle: n-tv.de