Politik

Nach US-Anerkennung Jerusalems Erdogan nennt Israel "terroristischen Staat"

d54381bc792d309174bfd5f6adc9df9b.jpg

Erdogan sprach in Sivas und sparte nicht mit Kritik.

(Foto: AP)

Die Empörung über die US-Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt reicht bis in die Türkei. Dort wettert Präsident Erdogan gegen Israel - dessen Armee operiert derweil weiter im Gazastreifen.

Im Streit um Jerusalem hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Israel als "terroristischen Staat" attackiert, der "Kinder tötet". Bei einer Rede im zentraltürkischen Sivas sagte Erdogan: "Palästina ist ein unschuldiges Opfer. (...) Was Israel anbelangt, das ist ein terroristischer Staat, ja, terroristisch!" Er werde mit allen Mitteln gegen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA kämpfen.

Erdogan äußerte sich in den vergangenen Tagen bereits mehrfach erzürnt über das Vorhaben von US-Präsident Donald Trump, nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. "Eine solche Entscheidung stürzt die Welt und besonders unsere Region in einen Ring aus Feuer", warnte Erdogan. "Hey Trump, was machst du? Was soll dieses Vorgehen? Politiker sollten für Versöhnung und nicht für Chaos sorgen!"

Frankreichs Präsident Emmanuel Maron rief Erdogan nach dessen Äußerung zu Israel zur Mäßigung auf. In einem Telefongespräch bat er den Amtskollegen, zur Beschwichtigung zwischen Israel und den Palästinensern beizutragen.

Lieberman ruft zu Boykott auf

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman rief derweil zu einem Boykott arabischer Ortschaften im Norden des Landes auf. Er reagierte damit auf Proteste und Unruhen in dem Gebiet nach der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA.

"Ich rufe die Bürger des Staates Israel dazu auf, dort nicht mehr einzukaufen, keine Dienstleistungen mehr in Anspruch zu nehmen - Wadi Ara einfach zu boykottieren", sagte Lieberman dem Armeesender. "Wir müssen ihnen das Gefühl geben, dass sie hier nicht willkommen sind."

Wadi Ara ist eine Ansammlung arabischer Ortschaften im Norden Israels. Die Einwohner sind israelische Staatsbürger. Zahlreiche israelische Araber, von denen sich viele als Palästinenser identifizieren, hatten am Wochenende gegen die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump demonstriert. Dabei wurden teilweise Autos mit Steinen beworfen.

Armee zerstört Tunnel im Gazastreifen

Die israelischen Streitkräfte zerstörten am Wochenende einen Grenztunnel aus dem Gazastreifen. Es habe sich um einen "bedeutenden" Tunnel gehandelt, der von der radikalislamischen Hamas gegraben worden sei, teilte die Armee weiter mit. Der noch unvollendete Tunnel verlaufe mehrere hundert Meter unter israelischem Gebiet und reiche bis auf einen Kilometer an die nächstgelegene Siedlung heran.

Ein ganzes Netz von Tunneln ermöglichte es palästinensischen Extremisten während des Gaza-Kriegs von 2014, auf israelisches Territorium vorzudringen. Zudem werden die unterirdischen Verbindungen für den Schmuggel von Waffen und Waren aus dem besetzten Gebiet genutzt. Erst im Oktober hatte Israel einen Tunnel zerstört, der vom Islamischen Staat gegraben worden sein soll. Bei der Sprengung wurden zehn IS- und zwei Hamas-Kämpfer getötet.

Die Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern haben sich in den vergangenen Tagen verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte. Die Palästinenser betrachten das seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 von Israel besetzte Ost-Jerusalem als Hauptstadt ihres künftigen Staates.

Quelle: n-tv.de, vpe/AFP/rts/dpa

Mehr zum Thema