Politik

"Lass deinen Hirntod überprüfen" Erdogan pöbelt gegen Macron

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Kein gutes Zeichen für den Zustand der Nato: Der türkische Präsident Erdogan setzt mehr auf Beleidigungen als auf Argumente.

(Foto: AP)

Mit seiner "Hirntod"-Diagnose schockiert Frankreichs Präsident Macron die Nato-Partner. Die Reaktionen liegen in einem großen Spektrum von "nachdenklich" bis "besorgt". Nun fügt der türkische Präsident Erdogan eine neue Facette hinzu und wird plump ausfallend. Paris bestellt darauf den türkischen Botschafter ein.

Nach der Kritik von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron an der Syrien-Offensive der Türkei hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seinem Kollegen den "Hirntod" bescheinigt. "Lass zuerst deinen eigenen Hirntod überprüfen", sagte Erdogan in einer Rede an Macron gewandt. Frankreich bestellte daraufhin den türkischen Botschafter in Paris ein. Der Élysée-Palast erklärte, Paris reagiere damit auf die "Beleidigungen" Erdogans.

In einer umstrittenen Äußerung hatte Macron der Nato unter anderem wegen der international kritisierten Offensive der Türkei gegen kurdische Milizen in Nordsyrien den "Hirntod" attestiert. Erdogan sagte dazu, "solche Äußerungen passen nur zu Leuten deiner Art, die im Zustand des Hirntods sind". Erdogan will kommende Woche am Nato-Gipfel in London teilnehmen. Im Vorfeld ist auch eine Zusammenkunft mit Macron, Kanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premier Boris Johnson zum türkischen Einmarsch in Syrien geplant. Der türkische Einsatz gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) war bei den Nato-Partnern auf breite Kritik gestoßen.

Macron warf Ankara wegen der Offensive in einem Interview ein "unkoordiniertes, aggressives" Vorgehen vor, das die Sicherheitsinteressen aller Nato-Staaten berühre. Ebenso wie Deutschland und Großbritannien schränkte Frankreich wegen des Einsatzes die Waffenlieferungen an Ankara ein. Die drei EU-Staaten fürchten, dass die Offensive den Kampf gegen die islamistische IS-Miliz schwächt, bei dem die YPG eine wichtige Rolle spielt.

Neben den USA unterstützt auch Frankreich die syrische Kurdenmiliz mit Spezialkräften im Kampf gegen die Dschihadisten. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf Macron vor, eine "Terrororganisation" zu finanzieren und regelmäßig im Élysée-Palast zu empfangen. Macron dürfe nicht vergessen, dass Frankreich der Türkei als Nato-Mitglied zur Seite stehen müsse, sagte Cavusoglu.

Wie oft, wenn er wütend ist, wurde Erdogan bei seiner Rede persönlich. "Niemand beachtet dich", sagte er an Macron gewandt. "Du bist noch unerfahren, arbeite erst mal daran." Der französische Präsident zahle seine Nato-Beiträge nicht ordnungsgemäß und verstehe nichts vom Anti-Terror-Kampf, sagte Erdogan. Daher habe sich auch die Protestbewegung der sogenannten Gelbwesten in Frankreich ausbreiten können.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP