Politik

"Ihre Sorge gilt dem Öl" Erdogan poltert gegen Anti-IS-Allianz

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Seit Wochen fliegt das westliche Bündnis Angriffe auf den IS.

(Foto: dpa)

Die US-Regierung lässt verlauten: Die Terrormiliz IS nimmt täglich mindestens eine Million Dollar ein. Ein Teil davon kommt aus Ölverkäufen in die Türkei. Staatspräsident Erdogan wettert zugleich gegen die Nato-Partner der Anti-IS-Allianz.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat dem US-geführten Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einem Medienbericht zufolge wirtschaftliche Motive unterstellt. Die von den Amerikanern angeführte Allianz sei erst gegen den IS im Irak und in Syrien vorgegangen, als die Dschihadisten Ölquellen bedroht hätten, sagte Erdogan nach Angaben der regierungsnahen Nachrichtenagentur Anadolu. "Ihre Sorge gilt also nicht den Menschen, sondern dem Öl."

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Erdogan äußert laute Kritik an den Nato-Partnern.

(Foto: dpa)

Die Türkei steht unter internationalem Druck, stärker gegen den IS vorzugehen. Erdogan kritisierte in Riga in einer Rede vor Studenten erneut die US-Waffenlieferungen für die syrisch-kurdische Partei PYD, deren Kämpfer Kobane gegen den IS verteidigen. Die USA hätten die Waffen gegen den ausdrücklichen Willen der Türkei abgeworfen, sagte Erdogan. Mit den Waffenlieferungen unterstützten die USA eine Terrororganisation. Erdogan hält die PYD ebenso für eine Terrororganisation wie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK.

Zwar hat die türkische Regierung jede direkte Unterstützung der PYD ausgeschlossen. Sie hat aber zugesagt, Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak über türkisches Territorium in die nordsyrische Stadt Kobane passieren zu lassen. Erdogan sagte, zunächst würden 200 Peschmerga-Kämpfer die Türkei durchqueren. Auf diese Zahl hätten sich die PYD und die kurdische Autonomieregierung im Nordirak geeinigt.

Einnahmen durch Öl und Entführungen

Durch die Öl-Förderung in den von IS-Kämpfern eroberten Raffinerien im Irak und in Syrien fließe seit Mitte Juni täglich eine Million Dollar in die Kassen der Dschihadisten. Das Öl werde auf dem Schwarzmarkt zunächst an Kurden im Irak und anschließend in die Türkei verkauft, teilte die US-Regierung mit. Damit sei Dschihadistenorganisation Islamischer Staat "die wohl am besten finanzierte Terrororganisation" der Welt.

Abgesehen von einigen staatlich unterstützen Extremisten-Gruppen verfüge keine militante Organisation über eine derart breite Finanzierungsbasis, sagte der im US-Finanzministerium für Terrorismusbekämpfung zuständige Spitzenbeamte David Cohen. Es gebe auch Hinweise darauf, dass die syrische Regierung in die illegalen Geschäfte verwickelt sei, sagte Cohen. Unter Führung der USA bekämpft eine internationale Militärallianz die Dschihadisten derzeit aus der Luft. Ein wichtiges Ziel sind die von der IS-Miliz kontrollierten Öl-Anlagen.

Zusätzlich nahm der IS nach Einschätzung des US-Finanzministeriums in diesem Jahr bereits mindestens 20 Millionen Dollar durch Entführungen ein. "Entführungen und Lösegeldforderungen stellen inzwischen die größte terroristische Bedrohung dar", betonte Cohen. Die internationale Gemeinschaft müsse eine gemeinsame Linie verfolgen und dürfe nicht mit den Entführern verhandeln, forderte Cohen. Er kritisierte, dass mehrere europäische Länder für entführte Journalisten und andere Geiseln in diesem Frühjahr mehrere Millionen Dollar an die Dschihadisten gezahlt hätten.

Die IS-Extremisten haben weite Landesteile im Irak und in Syrien unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein "Kalifat" ausgerufen. Das Eintreiben von Schutzgeld in diesen Gebieten ist nach Einschätzung des US-Finanzministeriums eine weitere Einnahmequelle der Dschihadisten.

Quelle: ntv.de, rpe/dpa/AFP

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