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Streit um russische Raketen Erdogan setzt auf Putin, Pentagon droht

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Der türkische Präsident Erdogan hält trotz US-Kritik am Russland-Deal fest.

Weil Ankara russische Flugabwehrraketen kauft, droht Washington dem Nato-Partner mit Sanktionen. Doch die Türkei lässt sich nicht von ihrem Entschluss abbringen. Für Erdogan ist der Kontakt zu Putin wichtiger als der zu Trump.

Die USA erhöhen ihren Druck auf die Türkei und fahren ihre militärische Zusammenarbeit mit dem Nato-Partner zurück. Es würden mit sofortiger Wirkung keine weiteren türkischen Piloten an F-35 Kampfjets mehr ausgebildet, sagte ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Das bereits laufende Training von Piloten in Arizona wird deshalb schneller als geplant eingestellt. Die jetzige Ankündigung aus den USA ist der vorläufige Höhepunkt eines seit Wochen anschwellenden Streits zwischen Ankara und Washington wegen geplanter Lieferungen russischer Raketen an die Türkei.

Die Türkei ist seit 1952 Nato-Mitglied, aber nicht im Besitz eines eigenen Raketenabwehrsystems. Im Bedarfsfall müssen sich die Türken Schutz von außen holen. Von 2012 bis 2016 etwa unterstützte die Bundesregierung die Türken mit dem US-Raketenabwehrsystem des Typs "Patriot" vor möglichen Raketenangriffen aus Syrien. Um unabhängiger handeln zu können, hatte Ankara 2017 einen Vertrag mit Moskau für die Bestellung eines S-400 Luftabwehrraketensystems unterzeichnet, und damit westliche Verbündete verärgert.

Denn die USA und andere Nato-Mitgliedstaaten befürchten, Russland könnte über das S-400-System Informationen zu Nato-Flugzeugen erlangen. Washington hat Ankara deswegen eine Frist bis Ende Juli gesetzt, um auf den Kauf der Flugabwehrraketen zu verzichten. Sollte Ankara nicht reagieren, droht das US-Verteidigungsministerium mit der Ausweisung türkischer Piloten aus den Vereinigten Staaten. Zwar haben die Türken noch Gelegenheit, ihren Kurs zu ändern, aber bisher haben sie den Drohungen der Amerikaner nicht nachgegeben. Den Deal zu annullieren, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, komme nicht in Frage.

Putin ist für Ankara wichtiger als Trump

Es gibt einfach zu viele Streitpunkte zwischen Ankara und Washington: Washingtons Weigerung, den im US-Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen auszuliefern, den die Türkei für den gescheiterten Putschversuch 2016 verantwortlich macht. Die US-Unterstützung der syrischen Kurden und der Konflikt darüber, wie mit Syrien überhaupt umgegangen werden soll.

Zwar hat Erdogan aus ökonomischer Perspektive kein Interesse daran, es sich mit US-Präsident Donald Trump zu verscherzen. Aber noch weniger Interesse hat er daran, es sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verscherzen. Wirtschaftlich sind beide Länder noch eng verflochten: Russland hatte das erste türkische Atomkraftwerk gebaut – im Gegenzug sind zahlreiche türkische Baufirmen in Russland aktiv, Millionen russischer Touristen verbringen ihren Urlaub in der Türkei. Die Türkei ist nach Deutschland der größte Abnehmer russischen Gases. Aufgrund der EU-Sanktionen wegen des Ukrainekonflikts sind die türkischen Lebensmittelexporte nach Russland enorm gestiegen.

Angesichts der exzellenten Wirtschaftsbeziehungen kann Erdogan den beschlossenen Deal kaum auflösen. Würde Ankara einknicken, könnte auch Moskau Sanktionen verhängen – und wie entschlossen Putin sein kann, hat er 2015 gezeigt: Nach dem versehentlichen Abschuss eines russischen Kampfjets im türkischen Luftraum setzte der Kreml einen umfassenden Importstopp für türkische Waren, Arbeitsverbote und Sanktionen gegen die türkische Tourismusbranche durch.

Moskau hat bisher gelassen auf Washingtons Drohungen reagiert: Es gebe keinen Mangel an Bestellungen für die S-400, sagte der russische Vizeregierungschef Juri Borissow. Jede Regierung, die sich für das Raketenabwehrsystem interessiere, werde von den Amerikanern unter Druck gesetzt, relativierte er.

Quelle: n-tv.de

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