Politik

"Das kann man nicht verstehen" Erdogan will kein EU-Lager in der Türkei

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Syrisch-kurdische Flüchtlinge in der Türkei an der Grenze zu Syrien.

(Foto: imago/Xinhua)

Der türkische Präsident Erdogan kritisiert scharf die europäische Flüchtlingspolitik. Vor allem der Vorschlag des deutschen Innenministers stößt ihm auf. EU-Lager in der Türkei lehnt Erdogan ab - er vermutet, die EU wolle sich nur ihre Flüchtlinge aussuchen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will keine EU-Flüchtlingslager in der Türkei. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte vor einigen Tagen vorgeschlagen, die EU solle ein großes Flüchtlingslager in der Türkei bauen und finanzieren, um auf türkischem Boden entscheiden zu können, welche Flüchtlinge nach Europa kommen dürften.

Ohne de Maizière beim Namen zu nennen, sagte Erdogan dazu, ein deutscher Minister habe gesagt, die Türkei solle die Syrer aufnehmen, "und dann suchen wir uns ein paar aus". Aus einem anderen europäischen Land sei ein ähnlicher Vorschlag gekommen. Gegenüber dem US-Fernsehsender CNN sagte Erdogan: "Was ist das denn für eine Haltung? Das kann man nicht verstehen."

Erdogan bekräftigte in dem Gespräch, er gebe der westlichen Welt die Schuld an der Flüchtlingskrise. Die Türkei habe mehr als zwei Millionen Menschen aufgenommen, sagte er. Wie sein Land könnten auch europäische Staaten die ankommenden Flüchtlinge aufnehmen, wollten dies aber verhindern, "koste es, was es wolle". Europäische Politiker sollten gemeinsam handeln und den Flüchtlingen "eine Chance geben, sich zu retten".

In dem Interview sagte der Präsident auch, er habe beim Anblick des Fotos des toten Flüchtlingskindes Aylan geweint. Er habe das Bild zum ersten Mal im Kreis seiner Familie mit seinen Kindern und Enkelkindern gesehen. "Wir waren am Boden zerstört", sagte er. "Wir fragten uns: Wo ist das Gewissen der Menschheit? Es ist ein dreijähriges Kind. Das Bild brachte uns zum Weinen." Die Leiche des Jungen war nach dem Untergang eines Flüchtlingsboots am vergangenen Mittwoch an einen türkischen Strand gespült worden. Das Bild des toten Kinds löste weltweit Bestürzung aus.

Quelle: ntv.de, kpi/AFP

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