Politik

"Unschuldige Palästinenser" Erdogan wirft Israel Nazi-Methoden vor

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Erdogan will die Türkei zu einem Präsidialsystem umbauen.

(Foto: AP)

Der türkische Präsident macht mit Tiraden gegen Israel auf sich aufmerksam. Für Erdogan gibt es keinen Unterschied zwischen dem Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden und dem Umgang Israels mit Palästinensern.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat das gewaltsame Vorgehen Israels gegen Palästinenser in Gaza mit Methoden der Nationalsozialisten im Dritten Reich verglichen. "Zwischen der Grausamkeit, die vor 75 Jahren in Europa an den Juden begangen wurde, und der Brutalität, der unsere Brüder aus Gaza heute ausgesetzt sind, besteht überhaupt kein Unterschied", sagte Erdogan bei der Eröffnung eines Sondergipfels islamischer Staaten in Istanbul. "Die Kinder der Menschen, die im Zweiten Weltkrieg in Konzentrationslagern auf jede erdenkliche Weise gefoltert wurden, greifen heute leider mit Methoden, die denen der Nazis quasi in nichts nachstehen, unschuldige Palästinenser an."

Im Holocaust wurden durch die Nationalsozialisten etwa sechs Millionen europäische Juden ermordet. Erdogan hatte bereits im vergangenen Jahr auch Deutschland, Österreich und den Niederlanden Nazi-Methoden unterstellt. Der Grund: Die jeweiligen Regierungen hatten Wahlkampfauftritte türkischer Politiker verboten.

Den Sondergipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), die 57 Staaten umfasst, hatte Erdogan einberufen, um gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zu protestieren. Auf der Teilnehmerliste des türkischen Außenministeriums fanden sich neben Erdogan nur zwölf Staats- und Regierungschefs: Neben dem jordanischen König Abdullah II. wurden die Emire Katars und Kuwaits, der iranische Präsident Hassan Ruhani, Afghanistans Staatschef Aschraf Ghani und der sudanesische Präsident Omar al-Baschir erwartet. Saudi-Arabien wird von Außenminister Adel al-Dschubeir vertreten.

Außenminister spricht von "Völkermord"

Vor dem Gipfel hatte eine Kundgebung unter der Parole "Verurteilt die Unterdrückung, unterstützt Jerusalem!" stattgefunden. Dabei rief Erdogan die Muslime zur Einheit auf. Die Muslime zeigten ein "scheues und feiges Bild" im Angesicht ihrer Gegner, kritisierte Erdogan in einer Ansprache vor tausenden Menschen. Es sei Zeit, die internen Differenzen zu überwinden und eine "starke Haltung gegen Israels Tyrannei" zu zeigen.

Zuvor hatte der türkische Regierungschef Binali Yildirim Israel vorgeworfen, durch die Besetzung von palästinensischem Land und die Missachtung internationalen Rechts "Hitler und Mussolini" nachzuahmen. Er unterstellte Israel zudem "Völkermord" und "ethnische Säuberungen" und kritisierte, dass die israelischen Behörden keine Versorgung von Verletzten im Gazastreifen zuließen.

In der Türkei herrscht derzeit Wahlkampf. Am 24. Juni werden erstmals zeitgleich ein neues Parlament und ein Präsident gewählt.

Quelle: n-tv.de, jga/AFP/dpa

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