Politik

Krise nach Ukraine-AngriffenErste russische Großstadt meldet vollständiges Benzin-Aus

03.07.2026, 14:12 Uhr
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Noworossijsk ist eine Hafenstadt mit über 240.000 Einwohnern im Süden Russlands. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Seit Wochen nimmt die Ukraine russische Ölraffinerien massenhaft ins Visier - mit spürbaren Folgen. Im ganzen Land bilden sich lange Schlangen an den Tankstellen, die Spritabgabe ist vielerorts auf wenige Dutzend Liter begrenzt. Nun meldet eine Stadt mit 240.000 Einwohnern: Es gibt gar kein Benzin mehr.

Noworossijsk hat als erste Großstadt Russlands offiziell bekannt gegeben, infolge der Treibstoffkrise nach ukrainischen Drohnenangriffen kein Benzin mehr zu haben. Die Verwaltung der Stadt am Schwarzen Meer im Süden Russlands teilte mit, dass "derzeit kein Benzin an den Tankstellen verfügbar ist". Noworossijsk ist eine Hafenstadt mit über 240.000 Einwohnern in der Region Krasnodar, unweit der bereits 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim.

Angesichts der Treibstoffkrise hatte die Stadtverwaltung vor wenigen Wochen eine Online-Karte gestartet, auf der in Echtzeit angezeigt wird, welche Tankstellen im Stadtgebiet Treibstoff führen. Stand Freitagmittag war auf allen dort verzeichneten Tankstellen kein Benzin verfügbar, sondern lediglich Dieselkraftstoff. An den wenigen Tankstellen, an denen angezeigt wird, dass sie auch Benzin haben, kann nur mit speziellen Tankkarten getankt werden, die systemrelevante Betriebe ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen.

Die Treibstoffkrise betrifft inzwischen nahezu alle russischen Regionen. Die meisten Gebiete haben Einschränkungen eingeführt - selbst dort, wo es noch Benzin gibt, ist die Abgabe für Privatkunden meist auf wenige Dutzend Liter pro Tankvorgang begrenzt.

Seit Wochen greift die ukrainische Armee Ölraffinerien in ganz Russland mit Drohnen an. Bereits Ende Mai 2026 gab es laut einem Reuters-Bericht keine größere Raffinerie im europäischen Teil Russlands, die nicht mindestens einmal Ziel eines ukrainischen Angriffs geworden war. Mehrere Anlagen mussten ihre Produktion drosseln oder ganz einstellen, was zu einer schweren Treibstoffknappheit führte.

Ziel der ukrainischen Angriffe ist es, den russischen Truppen die Kraftstoffversorgung und dem Kreml die Finanzierung des Krieges zu erschweren. In den sozialen Medien kursieren Videos, die Handgreiflichkeiten zwischen wartenden Autofahrern an Tankstellen zeigen.

Vor dem Hintergrund der Treibstoffkrise sanken Zustimmungswerte des russischen Präsidenten Wladimir Putin laut mehreren - darunter auch staatlichen - Umfragen auf den niedrigsten Stand seit Beginn des Krieges im Februar 2022. Putin räumte die Versorgungsprobleme inzwischen öffentlich ein und berief eine Krisensitzung ein. Der Kreml prüft nun sogar den Import von Benzin und erwägt ein Exportverbot für Diesel. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Russland bereits begonnen, Benzin per Schiff aus Indien zu importieren. Zudem hat sich Kasachstan bereiterklärt, im Juli und August insgesamt 50.000 Tonnen Kraftstoff nach Russland zu liefern.

Quelle: ntv.de, uzh

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