Politik

Zusammenstöße vor Lagerräumung Erster Bus mit Flüchtlingen verlässt Calais

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Die ersten Flüchtlinge besteigen im "Dschungel" einen Bus, der sie in andere Aufnahmezentren bringen soll.

(Foto: REUTERS)

Die Behörden haben Respekt vor diesem Kraftakt: Das Flüchtlingslager vor den Toren von Calais soll geräumt werden. Mindestens 6000 Migranten kommen in neue Aufnahmezentren. Der erste Bus ist bereits abgefahren - doch es gibt auch Proteste.

Im nordfranzösischen Calais ist die Registrierung der Migranten aus dem wilden Flüchtlingscamp angelaufen. "Das ist ein wichtiger Tag. Der Staat macht eine beträchtliche Anstrengung", sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henri Brandet. Allerdings wurde die geplante Räumung des Camps von erneuten Ausschreitungen begleitet. Rund 1250 Polizisten sichern die Räumung ab.

Der erste Bus mit Flüchtlingen fuhr gegen 8.40 Uhr ab. Insgesamt 60 Busse sollen am Montag abfahren und zwischen 2000 und 2500 Flüchtlinge in Unterkünfte im ganzen Land bringen. In den kommenden Tagen werden Dutzende weitere Busse starten. Schon am Dienstag wollen die Behörden damit beginnen, Zelte und Hütten abzureißen, in denen die Flüchtlinge bislang wohnten.

"Wir wollen nach Großbritannien"

Vor dem Registrierzentrum in der Nähe des "Dschungel" genannten Camps warteten bereits am frühen Morgen mehrere hundert Menschen auf die Abreise. Viele trugen Koffer und Kleiderbündel bei sich. "Es ist besser, jetzt zwei Stunden zu warten als dann zwei Tage", sagte ein sudanesischer Flüchtling. Ein anderer Flüchtling sagte, er sei schon um 4.00 Uhr morgens angekommen.

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In den letzten Tagen kam es zu gewaltsamen Protesten gegen die Räumung des Lagers.

(Foto: imago/i Images)

Sie werden in dem Transitzentrum, einem improvisierten Busbahnhof, befragt, bevor sie auf Aufnahmezentren in ganz Frankreich verteilt werden, sagte ein Sprecher der Präfektur Pas-de-Calais. Ein Asylverfahren findet dort noch nicht statt. Den Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und Eritrea sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind der Großraum Paris und Korsika.

Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden, sagte Brandet. "Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen." Seit langem arbeiteten die Behörden mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen. Allerdings droht die Regierung Flüchtlingen, die das Lager nicht verlassen, mit einer Festnahme.

Einige der Menschen hoffen, von Calais aus heimlich nach Großbritannien zu gelangen. "Sie müssen uns zwingen zu gehen", sagte ein afghanischer Flüchtling am Sonntag. "Wir wollen nach Großbritannien." Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, kritisierte, dass Großbritannien sich abschotte und verschanze. "Flüchtlinge möchten dorthin wo es Communities gibt." Polizeieinsätze seien keine Lösung.

Erneute Zusammenstöße

Manche Bewohner lehnen es allerdings ab, das Lager in der Nähe des Ärmelkanals zu verlassen. Sie fürchten, dass sie dann keine Chance mehr auf die gewünschte Weiterreise nach Großbritannien haben. In der Nacht gab es wie schon am Vortag gewaltsame Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und der Polizei. Polizisten feuerten Tränengasgranaten an einer Umgehungsstraße des Hafens und im Lager ab, wo sie Dutzenden Steine werfenden Flüchtlingen gegenüber standen.

Die französischen Behörden wollten das Lager schon seit geraumer Zeit auflösen. Hilfsorganisationen versuchten dies mit juristischen Mitteln zu verhindern, doch ein Verwaltungsgericht gab am Dienstag grünes Licht für die Räumung. Betroffen sind Schätzungen zufolge 6000 bis 8000 Bewohner. Fast 200 minderjährige Flüchtlinge wurden vor der Räumung nach Großbritannien gebracht.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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