Politik

Kritiker Lukaschenkos Erster Staatschef von Belarus gestorben

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Im April war Schuschkewitsch Berichten zufolge in Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Stanislau Schuschkewitsch, der erste Staatschef von Belarus, ist Berichten zufolge im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war ein politischer Gegner von Lukaschenko - und stritt sich mit diesem einst um seine Bezüge als pensionierter Staatschef von inflationsbedingt weniger als zwei Euro im Monat.

In Minsk ist in der Nacht Stanislau Schuschkewitsch verstorben, der zwischen 1991 und 1994 das erste Staatsoberhaupt der unabhängigen GUS-Republik Belarus war. Das berichtet der Sender "Euroradio" unter Berufung auf Schuschkewitschs Ehefrau Irina. Der Politiker war 87 Jahre alt. Im April musste er wegen einer Covid-Erkrankung auf die Intensivstation, wurde allerdings zum Monatsende aus dem Krankenhaus entlassen.

Schuschkewitsch war vor seiner politischen Karriere ein bekannter Wissenschaftler und gehörte als Atomphysiker der Kommission zur Aufklärung des Kernkraftunglücks von Tschernobyl an. 1990 wurde er als Abgeordneter in den Obersten Sowjet der damals noch Sowjetrepublik Belarus (Weißrussland) gewählt. 1991, nach dem gescheiterten Putsch gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, wurde er zum Vorsitzenden des Obersten Sowjet - und damit nach dem Zerfall der Sowjetunion zum ersten Staatsoberhaupt der dann unabhängigen Republik Belarus.

Schuschkewitsch war neben dem russischen Staatschef Boris Jelzin und seinem ukrainischen Amtskollegen Leonid Krawtschuk einer der Unterzeichner der Belowescher Vereinbarungen, dem Gründungsdokument der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Ein bizarrer Streit sorgt für Aufsehen

1994 unterlag Schuschkewitsch bei den Präsidentenwahlen Alexander Lukaschenko. Über Jahre waren die beiden politische Gegner, Schuschkewitsch blieb auch nach seiner politischen Karriere Kritiker am autoritären Regime Lukaschenkos. Für internationales Aufsehen sorgte ein Streit im Jahr 2002. Die Regierung Lukaschenkos verweigerte Schuschkewitsch Medien zufolge eine Inflationsanpassung seiner Bezüge als pensionierter Staatschef. Diese betrugen inflationsbedingt umgerechnet nur noch weniger als zwei Euro im Monat. In Medien wurde Schuschkewitsch augenzwinkernd als "ärmstes Ex-Staatsoberhaupt der Welt" bezeichnet.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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