Politik

Die große Klima-Show Es geht immer nur um Trump

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Will mit "den Demokraten" über einen neuen Klimavertrag sprechen: Donald Trump.

(Foto: AP)

Bei diesem Auftritt ging es nicht um Klimapolitik. Es ging um Trump, den Narzissten. Und um Trump, den Quotenkönig.

Donald Trump lässt sich Zeit. Für 15 Uhr Washingtoner Zeit ist sein Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses angekündigt. Mittlerweile weiß jeder, dass der US-Präsident den Ausstieg seines Landes aus dem Klimaabkommen von Paris verkünden wird. Um 15.29 Uhr ist die Stimme eines Ansagers zu hören: "Ladies und Gentleman, das Programm wird in 60 Sekunden beginnen."

Passender hätte man nicht ansagen können, was jetzt passiert. Es ist die immer gleiche Show. Trump wird von seinen Mitarbeitern gelobt und lobt sich selbst. Mag sein, dass der Rest der Welt denkt, dass es heute um ein wichtiges Thema geht. Aber für Trump geht es immer nur um Trump, das Thema ist ihm egal. So sieht es aus, wenn ein Narzisst politische Macht hat.

Zunächst tritt Vizepräsident Mike Pence ans Rednerpult, er hat diesen Gesichtsausdruck aufgesetzt, der vermutlich nach einer Mischung aus unbändigem Stolz und größtmöglicher Bescheidenheit aussehen soll. "Es ist das größte Privileg meines Lebens, als Vizepräsident einem Präsidenten zu dienen, der jeden Tag dafür kämpft, Amerika wieder groß zu machen", sagt er.

So geht es weiter. "Vom ersten Tag seiner Regierungszeit hat Präsident Donald Trump unermüdlich daran gearbeitet, die Versprechen zu halten, die er dem amerikanischen Volk gegeben hat." Erst in der vergangenen Woche sei man Zeuge der "kühnen Führung eines amerikanischen Präsidenten auf der Weltbühne" geworden. Vom Nahen Osten bis Europa habe Trump "als Anführer der freien Welt historische Allianzen bekräftigt" und "neue Beziehungen geschmiedet".

Im Rest der freien Welt war Trumps Reise durch Europa eher zwischen Scheitern und Peinlichkeit verortet worden – die Bundeskanzlerin nahm sie immerhin zum Anlass, sich in einer tatsächlich historischen Reaktion von den USA zu distanzieren.

"Unser absolut gewaltiger Erfolg"

Pence ist nur das Warm-up, nach drei Minuten kommt der Star dieser Show. Zunächst widmet er sich dem blutigen Terroranschlag von Manila, dann kommt er zum eigentlichen Thema. Nein, nicht dem Klimavertrag. "Bevor wir über das Pariser Abkommen sprechen, möchte ich mit einem Update unseres gewaltigen – absolut gewaltigen – wirtschaftlichen Erfolges seit der Wahl am 8. November beginnen."

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In New York brachte ein Demonstrant auf den Punkt, was Trump der Welt eigentlich sagen wollte.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Tatsächlich ist der private Konsum in den USA im April so stark gestiegen wie seit Dezember nicht mehr, die Zahl der Arbeitslosen befindet sich auf einem Zehn-Jahres-Tief. Diese Entwicklung hat allerdings nicht am 8. November angefangen. Seit Anfang 2010 geht die Arbeitslosenquote kontinuierlich zurück.

Und auch Trump spricht über seine Reise. "Es war ein sehr, sehr erfolgreicher Trip, glauben Sie mir." Er meint nicht etwa die Zusammenarbeit in der Nato oder die Gespräche beim G7-Gipfel. Auf der Reise seien Verträge im Umfang von fast 350 Milliarden Dollar unterzeichnet worden, darunter ein Rüstungspaket von 110 Milliarden Dollar mit Saudi-Arabien.

Lang und breit zählt Trump tatsächliche oder vermeintliche Erfolge seiner Regierungszeit auf. Um dann zu dem Thema zu kommen, um das es vordergründig geht. "Ich kämpfe jeden Tag für die großartigen Menschen dieses Landes. Deshalb, um meine feierliche Pflicht zu erfüllen, Amerika und seine Bürger zu schützen, werden sich die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen."

Danach lässt Trump sich darüber aus, wie unfair das Klimaabkommen ist, weil es China begünstige und die USA benachteilige. Dass es Unterschiede zwischen Schwellenländern und Industrieländern gibt, ignoriert er. Ebenso, dass dieses Abkommen nicht einmal verpflichtend ist. Trump will den Ausstieg offenkundig als Symbol.

"Wir hatten keine Ahnung, wie reich wir sind"

Fast jeder seiner Sätze ist Ausdruck von Trumps großer Liebe zu sich selbst oder ein Zeichen, dass sein Verhältnis zur Realität getrübt ist. Das Pariser Abkommen nehme den USA ihren Reichtum weg, sagt er, und fügt hinzu: "Es ist großer Reichtum, es ist phänomenaler Reichtum; vor nicht allzu langer Zeit hatten wir keine Ahnung, dass wir einen solchen Reichtum haben." Er sagt "wir", aber er meint sich: Er war es, der keine Ahnung hatte. Das erinnert sehr an Trumps frühere Hinweise, niemand habe gewusst, wie kompliziert Gesundheitspolitik sei oder das Nordkorea-Problem.

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Trump las seine Rede größtenteils vom Teleprompter ab.

(Foto: REUTERS)

Großen Wert legt Trump darauf, dass ja niemand denkt, ihm sei die Umwelt egal. "Unter der Trump-Regierung werden die Vereinigten Staaten weiterhin das sauberste und umweltfreundlichste Land der Welt sein. Wir werden die saubersten sein. Wir werden die sauberste Luft haben. Wir werden das sauberste Wasser haben." Seit Monaten wird Trump in zahllosen Satireshows in den USA imitiert und lächerlich gemacht. Wie wollen die Komiker einen solchen Auftritt toppen?

Er sei bereit, mit den "demokratischen Anführern" zusammenzuarbeiten, um entweder das Pariser Abkommen zu verändern oder ein neues zu verhandeln. Was meint er mit den "demokratischen Anführern"? Bis auf Syrien und Nicaragua sind alle Staaten dieser Welt beim Klimaabkommen dabei – auch Trumps nicht ganz so demokratische Freunde aus Saudi-Arabien.

Aber er scheint etwas anderes gemeint zu haben, und vor allem scheint er vom Teleprompter-Text abgewichen zu sein. Noch einmal spricht er von "den Demokraten", mit denen er sprechen wolle. Offensichtlich meint er die amerikanischen Demokraten. Die Opposition in Washington. Die bei solchen Verhandlungen nicht dabei wären. Sie sind ja in der Opposition.

Und dann kommt Pruitt

Nach einer halben Stunde ist Trump fertig, aber vorbei ist die Show noch nicht. Der Chef der Umweltbehörde, Scott Pruitt, bekommt noch einen kleinen Auftritt. Pruitt ist der Erzfeind des Klimaschutzes. In gewisser Weise ist er an diesem Tag ein Mittelfinger auf zwei Beinen.

Da Barack Obama seine Klimaschutzgesetze nicht durch den Kongress bekam, nutzte er die Umweltbehörde EPA, um entsprechende Vorschriften zu erlassen. Pruitt war zu dieser Zeit Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Oklahoma. Dreizehn Mal zog er gegen die Obama-Regierung vor Gericht, um den Klimaschutz zu stoppen.

Dieser Mann steht nun also im Rosengarten des Weißen Hauses und darf auch noch etwas sagen. Er richtet seine Worte an Trump und schafft es, noch unterwürfiger zu sein als Pence. "Seien Sie versichert, dass ich dankbar bin für Ihre Stärke, für Ihren Mut und für Ihre Standhaftigkeit, wie Sie unserem Land dienen und es führen." Endlich habe Amerika den Anführer, der sich nicht um Lobby-Interessen kümmere, sondern um das Volk. "In allem, was Sie tun, kämpfen Sie für die vergessenen Männer und Frauen von Amerika."

Die Veranstaltung dürfte ganz nach Trumps Geschmack gewesen sein. Zu Beginn und am Ende wurde sein Ego in kaum überbietbaren Tönen gelobt. Er selbst durfte ausführlich darüber sprechen, wie großartig er ist und wie unfair die Welt. Und die Einschaltquoten waren vermutlich sensationell.

Quelle: ntv.de