Politik

Spahn verzichtet für Laschet "Es kann nur einen Parteichef geben"

Als Duo steigen Armin Laschet und Jens Spahn in das Rennen um den CDU-Vorsitz ein. Beide betonen, die gespaltene Partei wieder einen zu wollen. Ihr Leitgedanke: Versöhnung. Damit fahren sie Friedrich Merz gehörig in die Parade.

Das erste Wort überlässt Armin Laschet seinem jüngeren Parteikollegen - und der wählt einen dramatischen Einstieg. "Wir befinden uns als CDU in der größten Krise in unserer Geschichte", erklärt Jens Spahn. "Wenn wir den Weg so weitergehen, riskieren wir unsere Zukunft." Dass Spahn Verantwortung übernehmen will, hat er immer wieder öffentlich betont. Dieses Mal tut er es anders als gedacht, aber mit einem "guten Gefühl", wie er betont. Der Bundesgesundheitsminister verzichtet auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz und unterstützt stattdessen den NRW-Ministerpräsidenten Laschet bei seinen Ambitionen. "Klar ist, es kann nur einen Parteichef geben", erklärt Spahn. Zwar schätze er Friedrich Merz sehr, aber die Partei brauche jemanden, der Konservative, Soziale und Liberale zusammenführe. Das traut er offenkundig eher Laschet zu.

Mit der Verkündung der Kandidatur von Laschet gelingt dem Duo ein echter Coup. Friedrich Merz, der sich nur anderthalb Stunden später zu seiner Kandidatur erklärt, kann plötzlich nur noch reagieren. Spahn und Laschet lassen keinen Zweifel daran, dass sie Merz für den falschen Mann zur falschen Zeit halten. Der frühere Unionsfraktionschef habe gesagt, er wolle die AfD halbieren, sagt Laschet. Das sei ein sehr wünschenswertes Ziel. Statt Ziele zu formulieren, verweist Laschet auf eigene Erfolge im Kampf gegen die AfD, die Merz bisher nicht vorweisen kann. "In NRW haben wir sie schwach gehalten", erklärt der Ministerpräsident. Der politische Wettbewerb finde aber auch in der Mitte statt. In Hamburg habe man vor allem an SPD und Grüne verloren.

Laschet gibt sich als Versöhner - sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partei fehle es im Moment am Zusammenhalt und auch am Respekt voreinander. "Ich glaube, dass unsere Gesellschaft mehr Fairness braucht zwischen Alt und Jung, zwischen Digital Natives und denen, die analog kommunizieren, zwischen Ost und West", erklärt er. Es dürfe nicht sein, dass manche Menschen mit Migrationshintergrund, Juden und andere Minderheiten wieder Angst haben in diesem Land. Deshalb sei es ein klares Bekenntnis zur Verfassung, was Demokraten leisten müssten - insbesondere Christdemokraten. "Die CDU hat in ihrer Geschichte immer wieder gesellschaftliches Auseinanderdriften zusammengeführt."

"Ein Angebot der Offenheit"

Dass er für einen Kurs nach dem Vorbild Angela Merkel steht, sieht er nicht als Problem. Vielmehr bekennt er sich klar zur Kanzlerin. "Ich erkenne nicht den Sinn darin, sich von den 15 erfolgreichen Jahren abzugrenzen." Laschet will ganz bewusst Wähler der Mitte für sich gewinnen. Der 59-Jährige setzt auf Verständigung - auch mit der Schwesterpartei. Zwar betont er, dass er im Falle seiner Wahl zum CDU-Parteichef Anspruch auf die Kanzlerkandidatur erheben würde, doch letztlich werde darüber gemeinsam mit der CSU entschieden. Schon über seine Ambitionen für den Posten als Parteichef habe er Markus Söder im Vorfeld informiert, sagt er. Der NRW-Landeschef versucht sich in größtmöglicher Transparenz. Auch das soll ihm helfen, die eigene Partei geschlossen hinter sich zu versammeln.

Und das ist offenbar auch notwendig. In der CDU zeigten sich aktuell tiefe Risse, erklärt Jens Spahn - wohl auch in Anspielung auf die sogenannte Werteunion. Es herrsche ein bislang unbekannter Umgangston. Auch das wollen die beiden ändern. "Unser Angebot ist ein Angebot der Offenheit, indem sich alle in der CDU wiederfinden können", erklärt Laschet. Eine weitere Spaltung fürchtet er nicht. Dass sich zu diesem Zeitpunkt Norbert Röttgen mit der Ankündigung aus der Deckung wagt, er werde gemeinsam mit einer Frau kandidieren, ficht das Männerduo nicht weiter an. "Wenn sie genau hinschauen sitzen hier vorne nicht nur zwei Männer. Wir sind da schon ein bisschen diverser", sagt Spahn. "Wir sind auch Westfale und Rheinländer." Tatsächlich war in den vergangenen Wochen immer wieder gespöttelt worden, dass die CDU in der Kandidatenfrage nicht mehr Diversität zu bieten habe, als vier Männer aus NRW.

Spahn und Laschet scheinen sich aber nicht nur persönlich zu verstehen, sie vereinen tatsächlich verschiedene Lager der Partei hinter sich. Während Spahn stets als Kritiker der Kanzlerin galt, gehört Laschet zu ihren vehementesten Befürwortern. Beide machen keinen Hehl daraus, dass sie nicht immer einer Meinung waren. In einer Volkspartei gehe es aber auch darum, Brücken zu bauen, so Spahn. Das ist die Botschaft der beiden Politiker. Erst die Partei, dann die Person. Dass es entgegen ursprünglicher Pläne von Annegret Kramp-Karrenbauer überhaupt zu einer Kampfkandidatur um den Vorsitz kommt, kommentiert Laschet eher schmallippig. "Ich bedaure, dass sich nicht alle Kandidaten diesem Teamgedanken anschließen konnten", sagt er. Über Norbert Röttgen will er gar nicht erst reden.

Quelle: ntv.de