Politik

Abkehr vom bisherigen Prinzip Ethikrat kritisiert frühere Impfung für Lehrer

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Für mehr Sicherheit an Schulen hätte der Ethikrat auf andere Mittel gesetzt - etwa mehr Tests.

(Foto: dpa)

Erzieherinnen und Erzieher in Kitas sowie Lehrkräfte an Grundschulen können sich früher gegen das Coronavirus impfen lassen als zuerst geplant. Dem Ethikrat bereitet diese Entscheidung von Bund und Ländern Bauchschmerzen. Schließlich sollen Menschen mit besonderem Schutzbedarf Vorrang erhalten.

Die Vorsitzende des Ethikrats, Alena Buyx, hat Kritik am Vorziehen der Corona-Impfungen für Lehr- und Kitakräfte geübt. Sie betrachte die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern mit "sehr gemischten Gefühlen", sagte Buyx im Deutschlandfunk. Sie könne zwar die politische Motivation nachvollziehen, auch wisse sie, dass Schulen und Kitas ein "essenzieller Bereich der Gesellschaft" seien. Sie hätte sich aber gewünscht, dass in diesen Bereichen mit anderen Mitteln für mehr Sicherheit gesorgt würde - "beispielsweise über Tests", sagte Buyx.

Mit der Entscheidung der Gesundheitsminister werde ein Stück weit die Systematik der bisherigen Priorisierungen aufgegeben - nämlich, "dass diejenigen, die besonders hohe Risiken haben, schwer zu erkranken oder zu versterben, oder die sich solchen Risiken im Beruf besonders aussetzen, bevorzugt werden".

Die Ständige Impfkommission habe in ihren Empfehlungen zur Priorisierung "ganz klar" befunden, dass es die Datenlage nicht hergebe, Lehr- und Kitakräfte in Gruppe zwei einzuordnen, sagte Buyx. Diese Gruppe sei eigentlich für Bürgerinnen und Bürger mit ganz besonderem Schutzbedarf reserviert: "Da reden wir tatsächlich ja von Patientinnen und Patienten, die aktiv in der Chemotherapie sind, oder von Menschen, die in Arztpraxen arbeiten." Das nun auch Lehr- und Kitakräfte dort eingruppiert werden sollen, "macht mir Bauchschmerzen". Schließlich seien diese nicht den gleichen Risiken ausgesetzt wie Menschen, die von Beginn an in der zweiten Gruppe der Impf-Reihenfolge waren.

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Zudem sei die Verteilung der Vakzine angesichts der knappen Impfmengen derzeit sowieso schon ein Problem. Zwar gebe es keinen "harschen Verteilungskonflikt", und in der nächsten Zeit rechne man mit viel mehr Impfdosen. Aber klar sei derzeit auch: "Wenn Sie einer Gruppe bevorzugt etwas geben, dann fehlt es eben tatsächlich irgendwo anders", erklärte die Ethikrats-Vorsitzende. So werde der Impfprozess insgesamt verlangsamt.

Zur Absicherung von Kita- und Schulöffnungen sollen Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte früher geimpft werden. Nach einem Entwurf des Gesundheitsministeriums rücken "Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und an Grundschulen tätig sind", von der dritten in die zweite Gruppe der Impf-Reihenfolge. Die geänderte Impfverordnung könnte an diesem Mittwoch in Kraft treten.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP