Politik
Der frühere Neonazi und Ex-V-Mann Tino Brandt gründete in den 90er Jahren den "Thüringer Heimatschutz". Er sitzt wegen Kindesmissbrauch in Haft.
Der frühere Neonazi und Ex-V-Mann Tino Brandt gründete in den 90er Jahren den "Thüringer Heimatschutz". Er sitzt wegen Kindesmissbrauch in Haft.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 19. Februar 2018

Gelder vom Verfassungsschutz: Ex-V-Mann spendete für NSU-Trio

Über einen V-Mann soll Geld des Verfassungsschutzes an den NSU geflossen sein - mit Wissen der Behörde. Abseits dieser Aussage im baden-württembergischen Untersuchungsausschuss sorgen ein Drohschreiben und Munition auf einem Briefkasten für Aufregung.

Der Thüringer Verfassungsschutz hat nach Aussage des früheren Verbindungsmannes (V-Mann) Tino Brandt indirekt den im Untergrund lebenden rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) mitfinanziert. Er habe als V-Mann Geld vom Amt bekommen, das er teilweise für die Terrorgruppe gespendet habe. Dies sei mit Wissen des Verfassungsschutzes geschehen, sagte der frühere Neonazi im Untersuchungsausschuss im baden-württembergischen Landtag in Stuttgart.

Brandt hatte in den 90er Jahren die Neonazi-Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz" aufgebaut, in der sich auch das NSU-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bewegte. Er arbeitete gegen Geld als V-Mann für den Verfassungsschutz, bis er 2001 enttarnt wurde. Er sitzt wegen Kindesmissbrauchs in Haft und wurde in Fußfesseln vorgeführt.

Dem NSU werden von 2000 bis 2007 zehn Morde zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn. Der Ausschuss geht der Frage nach, welche Verbindungen des NSU nach Baden-Württemberg bestanden und ob es hier Unterstützer gab.

Drohschreiben und "Sicherheitsvorfall"

Für Aufregung sorgte am Morgen ein Polizeieinsatz am Landtag. SPD-Ausschusschef Wolfgang Drexler erklärte, es sei ein Drohschreiben gegen den Untersuchungsausschuss und gegen ihn eingegangen. Zum konkreten Inhalt sagte er nichts und verwies auf die noch laufenden Ermittlungen. Die Ausschussarbeit werde nicht beeinträchtigt, sagte er. "Wir laden alle vor, die wir wollen."

Zudem gab es einen "Sicherheitsvorfall" im Zusammenhang mit einem geladenen Zeugen. Dabei soll es sich um einen früheren Anführer der Neonaziszene im thüringischen Rudolstadt gehandelt haben. Nach Angaben der "Stuttgarter Zeitung" und der "Stuttgarter Nachrichten" war auf dessen Briefkasten die Patrone einer Waffe gefunden worden.

Der Zeuge habe sich krank gemeldet und werde nun voraussichtlich am 5. März befragt, sagte Drexler. Im Untersuchungsausschuss sollte der Mann über mögliche Waffengeschäfte im Umfeld des NSU Auskunft geben. Die Polizei bestätigte, ihr sei ein Sachverhalt in dieser Richtung bekannt, der geprüft werde. Weitere Details nannte ein Sprecher nicht.

Quelle: n-tv.de