"Braucht einen Volksaufstand"Exil-Opposition: Angriffe auf den Iran nicht für Regime-Sturz geeignet

Bei den Angriffen auf den Iran sterben auch hunderte Zivilisten, die Attacken aus der Luft reichen offenbar nicht aus, um das Regime ernsthaft zu bedrohen. Für einen Umsturz bräuchte es ein anderes Vorgehen der Amerikaner, meint eine iranische Oppositionsgruppe im Exil.
Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran sind iranischen Oppositionellen zufolge nicht das geeignete Mittel, um die Führung in Teheran zu stürzen. Dafür sei allein ein vom inneren Widerstand getragener Volksaufstand in der Lage, sagte Mohammad Mohaddesin, der außenpolitische Leiter des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI), auf einer Pressekonferenz in Paris. "Der zwölftägige Krieg im Juni und der jetzige Krieg, der nun ebenfalls zwölf Tage andauert, haben bewiesen, dass Bombenangriffe das Regime nicht stürzen können."
Bei den fast zweiwöchigen Bombardierungen wurden nach iranischen Angaben rund 2000 Menschen getötet, darunter auch der Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei. Zudem wurden große Teile des Militär- und Sicherheitsapparats beschädigt. "Selbst mit 50.000 bewaffneten Soldaten am Boden braucht man die Unterstützung des iranischen Volkes. Man braucht einen Volksaufstand", erklärte Mohaddesin. Die Kombination aus diesen Soldaten und einem Volksaufstand schaffe die Kraft, das Regime zu stürzen. Einen Einsatz von US-Bodentruppen halte er aber nicht für realistisch, fügte er hinzu.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar begonnen, den Iran massiv aus der Luft anzugreifen. Der Iran hat seinerseits mit Angriffen auf Israel reagiert und auch Ziele in den Golf-Staaten mit der Begründung beschossen, dass dort US-Militärstützpunkte sind. Der Krieg hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gebracht. Weil durch diese Meerenge die Ölexporteure am Persischen Golf ihr Öl mit riesigen Tankern ausführen, wurden die globalen Energiemärkte ins Chaos gestürzt. Der Krieg hat sich zudem durch die seit dem 2. März von Israel ausgeführten Angriffe auf den Libanon erheblich ausgeweitet. Das israelische Militär attackiert nach eigenen Angaben die radikal-islamische Hisbollah im Libanon, die mit dem Iran verbündet ist und ihrerseits Ziele in Israel beschießt.
Im Inneren des Iran wurden die Massenproteste Anfang Januar mit äußerster Härte erstickt - Tausende Menschen wurden getötet. Die in militärischer, aber auch wirtschaftlicher Hinsicht überaus einflussreichen Revolutionsgarden haben dadurch ihre Macht gefestigt. Sie haben gedroht, jegliche Unruhen niederzuschlagen. Mit der Wahl von Modschtaba Chamenei zum neuen geistlichen und politischen Oberhaupt steht ein Hardliner mit guten Verbindungen zu den Revolutionsgarden an der Spitze der Islamischen Republik. Als Oberster Führer hat er in allen Belangen das letzte Wort. Modschtaba Chamenei ist der Sohn von Ajatollah Ali Chamenei, der jahrzehntelang Oberster Führer war und gleich zu Beginn des Krieges bei einem Angriff ums Leben kam.
Die in Paris ansässige Gruppe NWRI, auch bekannt unter ihrem persischen Namen Mudschahedin-e Chalk, wurde von den USA bis 2012 als Terrororganisation eingestuft. Im Iran ist sie verboten, und es ist unklar, wie viel Unterstützung sie dort hat. Ihr Außenpolitik-Leiter Mohaddesin räumte ein, dass seine Gruppe allein das System nicht stürzen könne. Er rechnete jedoch damit, dass Massenproteste, wie es sie bis zu ihrer Niederschlagung im Januar gab, nach dem Ende der Bombardierungen wieder aufgenommen würden. Das könne schließlich das Gleichgewicht im Iran verschieben.