Politik

Marder unentbehrlich? Experte hält wenig von Lambrechts Argumenten

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Seit 2015 wird statt des Schützenpanzers Marder der Nachfolger Puma an die Bundeswehr geliefert.

(Foto: imago images / Sven Eckelkamp)

Die Ukraine bittet Deutschland um schweres Kriegsgerät - doch das Verteidigungsministerium zögert und verweist auf NATO-Verpflichtungen und die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr. Ausreden, findet der Sicherheitsforscher Frank Sauer. Die Bundesregierung drücke sich vor langfristigen Strategien.

Der Sicherheitsexperte Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München hat deutliche Zweifel an einer Aussage von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht zu Waffenlieferungen an die Ukraine angemeldet. Diese hatte erklärt, die Bundesregierung könne Kiew kaum mehr Kriegsgerät zur Verfügung stellen, weil sonst die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands gefährdet wäre. Außerdem könnten NATO-Bündnisverteidigungen sonst nicht erfüllt werden. "Wenn die deutsche Landesverteidigung wirklich an ein paar Mardern zu scheitern droht", so Sauer im Gespräch mit dem "Spiegel", "dann können wir den Laden gleich ganz dicht machen. Und diverse NATO-Vorgaben haben wir jahrelang nicht erfüllt. Das war da auch kein Problem."

"Ich bin weit davon entfernt, blinden Aktionismus zu fordern", so Sauer weiter. Ein Schützenpanzer, der nach einem Tag liegen bleibe und für den es dann keine Ersatzteile gebe, nutze der Ukraine nichts. Fachleute führten auch die zeitaufwendige Ausbildung für das Waffensystem ins Feld. "Aber die offizielle Begründung bemüht diese Argumente gar nicht." Technische und logistische Probleme seien ernst zu nehmen und müssten im Einzelfall geprüft werden, so Sauer. "Aber technische und logistische Herausforderungen kann man meistern. Andere Länder tun es. Wir versuchen es nicht einmal."

Eine Chiffre für die Unentschiedenheit

Die Diskussion um den Marder stehe für ihn "als eine Chiffre dafür, dass wir politisch nicht entscheiden und uns langfristig auf die neue Sicherheitslage in Europa einstellen wollen", beklagte Sauer. "Der Krieg wird aber höchstwahrscheinlich noch dauern und sogar intensiver werden. Wir müssen dafür planen und vorausschauend proaktiv agieren, nicht mehr nur ad hoc reagieren", so der Politikwissenschaftler. Jetzt sei der Zeitpunkt, der Ukraine dabei zu helfen, "den russischen Streitkräften so viel Schaden zuzufügen wie möglich", forderte Sauer. Das sei hart. "Aber die europäische Sicherheit der nächsten Jahrzehnte wird maßgeblich vom Ausgang dieses Krieges beeinflusst werden", so Sauer.

Die Ukraine hatte Deutschland darum gebeten, bis zu 100 gebrauchte Marder-Panzer zu liefern. Diese müssten allerdings aus dem aktuellen Bestand der Bundeswehr entnommen werden. Auffüllen ließe sich die Lücke durch ausgemusterte Panzer, die derzeit beim Rüstungskonzern Rheinmetall stehen. Die Generalüberholung würde allerdings bis ins nächste Jahr dauern. Rheinmetall hatte den Ringtausch der Bundesregierung laut einem Bericht der "Welt" bereits am 28. Februar angeboten. Bisher hat die Ukraine von Deutschland demnach nur Waffen aus Bundeswehrbeständen erhalten.

Quelle: ntv.de, ino

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