Politik

"Hochproblematische Theologie" Experten: Salafismus-Prävention reicht nicht

91548795.jpg

"Ich finde es verdächtig, dass Vereine, die seit Jahren sagen, Terror hat nichts mit Religion zu tun, heute sagen, gebt uns Geld, wir machen Deradikalisierung", sagt Ahmad Mansour.

(Foto: picture alliance / Maurizio Gamb)

Wie kann dem radikalen Islam in Deutschland Einhalt geboten werden? Aktuelle Werkzeuge sind nach Ansicht von Experten nicht ausreichend. Radikale salafistische Ideen könnten sich frei verbreiten.

Islamismus-Experten sehen bei den Strategien gegen die Verbreitung der salafististischen Ideologie in Deutschland noch große Defizite. "Islamischer Religionsunterricht an der Schule ist nicht per se Prävention", gab die Leiterin der Beratungsstelle Hayat für Deradikalisierung, Claudia Dantschke zu bedenken. "Wir haben Universitäten, die hoch problematische Theologie betreiben", warnte ihr Kollege, der Psychologe und Buchautor ("Generation Allah") Ahmad Mansour.

Mit Blick auf die Islam-Verbände sagte er: "Ich finde es verdächtig, dass Vereine, die seit Jahren sagen, Terror hat nichts mit Religion zu tun, heute sagen, gebt uns Geld, wir machen Deradikalisierung." Hier seien Qualitätskontrollen nötig. Der islamische Prediger-"Mainstream" sei zu stark von "Angstpädagogik und Buchstabenglaube" geprägt, kritisierte Mansour.

Wer ein Abdriften von Jugendlichen in Salafistenkreise verhindern wolle, müsse in sozialen Netzwerken präsent sein. Dort verbreiteten sich Verschwörungstheorien in Windeseile. Eine beliebte Theorie sei etwa, dass der Terroranschlag im Dezember auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ein "Inside-Job" gewesen sei und nicht von einem tunesischen Terroristen verübt wurde.

Dantschke sagte, es sei falsch, sich bei der Prävention auf religiöse Fragen zu konzentrieren. Gefährdet seien vor allem Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. "Wir sehen unheimlich viele Parallelen zum Rechtsextremismus."

Quelle: ntv.de, bdk/dpa