Politik

"Für Absinken der Infektionen" Experten fordern Kontaktverbote für Geimpfte

Gernot Marx, Präsident Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

"Über die neue Virusvariante wissen wir einfach noch nicht genug", sagt der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx.

(Foto: dpa)

Bundesweit sollen künftig strenge Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte gelten. Für Geimpfte gelten bei privaten Zusammenkünften hingegen keine Verbote. Dies müsste sich Experten zufolge ändern, um die vierte Welle zu brechen.

Mehrere Experten fordern nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen zur Corona-Bekämpfung die Einführung von Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte. "Wir brauchen deutliche Kontaktbeschränkungen, aktuell tatsächlich am besten für alle", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Marx verwies dabei auch auf die potenzielle Gefahr durch die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus. "Über die neue Virusvariante wissen wir einfach noch nicht genug. Wir können nicht ausschließen, dass die Impfstoffe vermindert wirken. Wegen dieses Nicht-Wissens ist es zwingend notwendig, besonders vorsichtig zu sein", mahnte er.

Spitzenvertreterinnen und -vertreter von Bund und Ländern hatten am Nachmittag unter anderem beschlossen, dass für Menschen, die weder gegen Corona geimpft noch von einer Corona-Erkrankung genesen sind, bundesweit einheitliche Kontaktbeschränkungen eingeführt werden. Treffen sind dann auf den eigenen Haushalt sowie höchstens zwei Menschen eines weiteren Haushaltes begrenzt, wobei Kinder bis 14 Jahre ausgenommen werden.

"Es ist ein Fehler, Kontaktbeschränkungen für Geimpfte auszuschließen", sagte der Virologe Klaus Überla den RND-Zeitungen. "Denn inzwischen treten fast die Hälfte der symptomatischen Infektionen bei Geimpften auf. Die Geimpften spielen eine beträchtliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus."

Der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sagte den Zeitungen ebenfalls: "Es wäre besser gewesen, Kontaktbeschränkungen für alle zu verhängen, also auch für Geimpfte und Genesene. Dies könnte leichter überprüft werden und zugleich besser für ein Absinken der Infektionen sorgen." Alternativ sei auch eine regionale Regelung abhängig vom Infektionsgeschehen sinnvoll, fügte Zeeb hinzu. Durch Kontaktbeschränkungen für alle in Hotspot-Regionen könnten zuverlässiger die Inzidenzen gesenkt werden.

Vereinbart wurde bei der Bund-Länder-Runde auch ein Feuerwerksverbot an Silvester, ähnlich der Regelung im vergangenen Jahr. Intensivmediziner Marx begrüßte dies. "Am Silvesterabend und beim Böllern auf der Straße kommen viele Menschen miteinander in Kontakt", sagte er. "Darauf sollte dieses Jahr verzichtet werden, um die Infektionszahlen nicht noch weiter nach oben zu treiben." Für die Notfallmediziner in den Notaufnahmen sei Silvester ohne Feuerwerk ebenfalls eine Entlastung, weil viele Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt würden und im Krankenhaus landen könnten, sagte Marx weiter. "Das Verbot wird Kapazitäten einsparen."

Quelle: ntv.de, lve/AFP

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