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Riskante Führerschein-Regeln Experten lehnen Scheuers Motorrad-Pläne ab

Wenn es nach CSU-Verkehrsminister Scheuer geht, sollen künftig alle Autofahrer leichte Motorräder fahren dürfen - ohne Extraprüfung und nach nur wenigen Übungsstunden. Als Vorbild gilt Österreich. Doch genau dort haben die lascheren Regelungen tödliche Folgen.

Autofahrer sollen künftig ohne Prüfung leichte Motorräder fahren dürfen. Wer ohne Motorradführerschein mit einem sogenannten 125er unterwegs sein will, müsse mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und eine Schulung mit fünf 90-minütigen Einheiten hinter sich bringen, heißt es in einem Verordnungsentwurf des Bundesverkehrsministeriums.

Experten sehen den Vorstoß von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer sehr kritisch, denn Motorradfahren ist gefährlich. So warnt etwa der Tüv aus "Sicherheitsgründen" vor den Änderungen. "Auch Autofahrer müssen den Umgang mit mittelschweren Motorrädern gründlich lernen, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können", erklärte Richard Goebelt vom Tüv-Verband. Ein "Kurzprogramm" reiche nicht, sagte Goebelt. Es bräuchte vor allem mehr praktische Fahrstunden. Künftig solle erlaubt werden, Übungen lediglich auf Verkehrsübungsplätzen und nicht im echten Straßenverkehr durchzuführen - das sei für die Sicherheit "verheerend".

Bei Scheuers Plänen geht es um Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimeter und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS. Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, darf diese Krafträder sowieso fahren. Die erweiterte Fahrerlaubnis soll nur für Deutschland gelten.

Unfallstatistik spricht gegen Pläne

Doch anderswo gelten ähnliche Regelungen mitunter bereits. In einer zusätzlichen Begründung für die Neuregelung verweist das Verkehrsministerium zum einen darauf, mehr Mobilität insbesondere im ländlichen Raum zu ermöglichen. Zum anderen erklärt das Ministerium, unter anderem Österreich habe schon eine solche Regelung. Gerade Österreich führt jedoch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) als Argument gegen die Lockerung an. Denn dort hätten die Zahl der Zulassungen und die Unfälle zugenommen, nachdem die Liberalisierung eingeführt wurde.

Daher findet der DVR den Vorstoß "vollkommen unverständlich". Wenn man ein größeres Risiko in Kauf nehme, müsse das "zumindest einem erkennbaren Ziel" dienen, etwa der Förderung der Mobilität. "An der Unfallstatistik lässt sich aber gerade ablesen, dass Leichtkrafträder in starkem Maße für Freizeitfahrten am Wochenende in den Sommermonaten genutzt werden, und nicht primär, um zur Arbeitsstätte zu gelangen", heißt es in der Stellungnahme.

Scheuer könnte Regierungsziel untergraben

Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten "mittelfristig" auf null zu senken. Der DVR schrieb dazu, dass dieses Ziel nur erreicht werden könne, wenn die Fahrer gut ausgebildet seien: "Nur so können Gefahrensituationen vermieden oder wenigstens schwere Folgen abgewendet werden." Das gelte besonders für die große und besonders verletzliche Gruppe der Fahrer von Motorrädern. Wenn jetzt aber kein eigener Führerschein für leichte Motorräder mehr notwendig sei, werde genau das Gegenteil bewirkt.

Tatsächlich sollen laut Scheuers Verordnungsentwurf in einer vorgesehenen Schulung in Theorie und Praxis nur "die wesentlichsten Grundlagen" des Motorradfahrens vermittelt werden. Ziel sei "die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führen eines entsprechenden Leichtkraftrades", heißt es im Papier. Die Führerschein-Erweiterung soll etwa 500 Euro kosten. Wie viele Autofahrer davon Gebrauch machen, sei "nicht abzuschätzen", schreibt das Ministerium. Im Entwurf selbst lautet die Begründung lediglich: Die EU gebe den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, Autofahrer auch A1-Motorräder fahren zu lassen - das solle genutzt werden.

2017 starben 66 Fahrer von Leichtkrafträdern

Der DVR hält auch von dieser Begründung nichts. Es sei "fraglich", dass "plötzlich" die Anforderungen deutlich gesenkt werden sollten - die EU erlaubt das den Mitgliedstaaten nämlich schon seit 13 Jahren. Besonders bedenklich finden die Experten, dass die Leichtkrafträder schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren können und damit nach besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse in der Unfallstatistik ausmachen. Im Jahr 2017 starben laut Statistischem Bundesamt 66 Fahrer solcher Leichtkrafträder bei Unfällen. A1-Motorräder hätten bei den "Hauptverursachern von Unfällen mit Personenschaden den traurigen Platz 2" belegt, schreibt der DVR.

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände zeigte sich ebenfalls kritisch. "Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz", sagte Vereinigungschef Dieter Quentin. Schon jetzt sei ein Großteil der Unfälle mit Motorrädern auf Fahrfehler zurückzuführen. Mit der vorgeschlagenen Regelung steige das Risiko, die geplante Schulung sei "völlig unzureichend". Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte Quentin, vor allem für das Fahren auf Landstraßen müsse es eine umfangreiche Schulung geben. Gerade dort verunglückten viele Motorradfahrer "allein durch Fahrfehler und ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer".

Zustimmung kam dagegen von der FDP im Bundestag. "Der Vorschlag von Minister Scheuer geht in die richtige Richtung", sagte Verkehrsexperte Oliver Luksic. Die Fraktion werde ihn wohlwollend prüfen. Mit zusätzlichen Fahrstunden könne man Autofahrern durchaus zutrauen, ein motorisiertes Zweirad mit 15 PS "sicher und verantwortlich" zu steuern.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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