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Schöne, bunte Welt des IS: Deso Dogg in einem Werbevideo vom August 2014.
Schöne, bunte Welt des IS: Deso Dogg in einem Werbevideo vom August 2014.(Foto: dpa)
Dienstag, 02. Mai 2017

Sicherheitspanne bei US-Behörde: FBI-Mitarbeiterin heiratete Deso Dogg

Eigentlich sollte Daniela Greene für das FBI den deutschen Top-Terroristen Deso Dogg alias Denis Cuspert überwachen. Doch etwas ging schief. Sie reiste heimlich nach Syrien und heiratete dort den ehemaligen Rapper.

Der Auftrag war klar: Daniela Greene, die für das FBI als Übersetzerin arbeitete, sollte Anfang 2014 die Kommunikation des IS-Topterroristen Deso Dogg alias Denis Cuspert untersuchen. Aber es lief nicht nach Plan, wie der US-Sender CNN unter Berufung auf Gerichtsakten berichtet.

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Anstatt nur ihrer Arbeit nachzugehen und sich um die Telefongespräche und E-Mails des Deutschen zu kümmern, verfiel Greene dem Bericht zufolge dem ehemaligen Rapper. Sie beschaffte sich ein One-Way-Ticket nach Istanbul und reiste von dort aus weiter nach Syrien. Hier heiratete sie Deso Dogg und verriet ihm, dass er im Visier des FBI stand.

Wie sich die FBI-Mitarbeiterin, die in Tschechien geboren ist und eine Weile in Deutschland gelebt hat, und Deso Dogg genau kennenlernten, ist unklar. Fest steht jedoch: Wie bei vielen Dschihad-Touristen, die ins Kalifat zogen, folgte auch bei ihr schnell die Ernüchterung. Die Liebe zu Deso Dogg, der in Videos zu islamistischen Anschlägen aufrief, hielt der Realität nicht stand. In einer E-Mail schrieb sie im Sommer: "Ich war schwach und wusste nicht mehr, wie ich das angehen sollte. Ich habe diesmal wirklich Mist gebaut." In einer anderen Nachricht erklärte sie, sie wünsche sich, die Zeit zurückdrehen zu können.

Die US-Bundespolizei brauchte eine Weile, um zu merken, dass Greene sie hinters Licht geführt hatte. Erst nach fünf Wochen schrieb die Behörde die Mitarbeiterin zur Fahndung aus. Greene gelang indes die Flucht aus dem IS-Reich. Sie kehrte zurück in die USA, wo sie im August 2014 festgenommen wurde und sich zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit erklärte. Wenig später wurde sie zu zwei Jahren Haft verurteilt - letztlich ein mildes Urteil. Schließlich habe sie eine "ungeheuerliche" Tat begangen und die Sicherheit der Nation gefährdet, so die Anklage.

FBI kündigt Konsequenzen an

Für das FBI ist der Fall alles andere als ein Ruhmesblatt. Immerhin galt für Daniela Greenes Job die höchste nationale Sicherheitsstufe. "Es ist eine erstaunliche Peinlichkeit für das FBI", sagte John Kirby, ein ehemaliger Mitarbeiter des Außenministeriums, dem Sender CNN. Zumal die meisten Outsider, die ins IS-Gebiet reisten, den Tod riskierten.

Inzwischen kündigte das FBI Konsequenzen aus dem Fall an. Man habe "mehrere Schritte unternommen, um Sicherheitsschwachstellen zu identifizieren und zu verringern". Welche Schritte dies seien, führte die Behörde nicht aus.

Greene ist inzwischen wieder auf freiem Fuß und arbeitet als Hostess in einer Hotel-Lounge. Was aus Deso Dogg geworden ist, ist unklar. Mehrmals war er für tot erklärt worden - zuletzt hieß es, er sei im vergangenen August bei einem US-Luftangriff gestorben. Später nahm das Verteidigungsministerium diese Aussage zurück.

Quelle: n-tv.de