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"Das ist nicht genug" Facebook muss Datenklau-Opfer informieren

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Barley: Wir werden Facebook genauer überwachen müssen.

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Über eine App fließen die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern zu einer britischen Firma. Die Bundesregierung hat nun Manager des Konzerns einbestellt. Offenbar wird dem Konzern künftig genauer auf die Finger geschaut.

Facebook will die in der Daten-Affäre um die britische Firma Cambridge Analytica betroffenen deutschen Nutzer schriftlich informieren. Dazu habe sich das Unternehmen verpflichtet, sagte Justizministerin Katarina Barley nach einem Treffen mit Facebook-Managern. In dem intensiven, langen und durchaus kontroversem Gespräch habe der US-Konzern "Verstöße und Versäumnisse in der Vergangenheit eingeräumt" und zugesichert, "dass sich dies nicht wiederholt". Gleichwohl sei es "natürlich schwierig, ganz konkrete Zusagen zu bekommen".

Wie die Ministerin weiter sagte, ist die genaue Zahl der betroffenen deutschen Nutzer noch unklar. Die fragliche App sei 300.000 mal heruntergeladen worden - davon entfalle gut ein Prozent auf Europa. Aus Freundeslisten der App-Nutzer seien dann die 50 Millionen Datensätze abgeflossen. Auch hier sei unklar, wie viele deutsche Nutzer betroffen sind.

Mit Blick auf die Zusicherung Facebooks sagte die SPD-Politikerin, dass die Versprechen der Regierung nicht genug seien. Unternehmen wie Facebook müssten demnach strenger überwacht werden. Dazu brauche es gut ausgestattete Behörden, aber auch mündige Nutzer, die ihre Rechte kennen.

Erneut forderte Barley, dass Nutzer des sozialen Netzwerks in "klarer, präziser und einfach verständlicher Sprache über ihre Rechte informiert werden". Facebook müsse die Art und Weise, wie es das Einverständnis zur Datenweitergabe einholt, verändern. Die Weitergabe an Dritte dürfe es nur bei ausdrücklicher Zustimmung geben.

Kartellamt nimmt sich Facebook vor

Derweil warf der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, Facebook Datenmissbrauch vor. "Wir gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass Facebook sich zumindest beim Sammeln und Verwerten von Daten aus Drittquellen außerhalb von Facebook missbräuchlich verhält", sagte er dem "Tagesspiegel". "Mithilfe von Schnittstellen fließen teilweise auch dann Daten an Facebook, wenn man andere Internetseiten besucht. Dies geschieht sogar schon, wenn man beispielsweise einen Gefällt-Mir-Button gar nicht nutzt, aber eine entsprechende Seite aufgerufen hat, in die ein solcher Button eingebettet ist", sagte der Wettbewerbshüter. Den Nutzern sei das nicht bekannt.

Das Bundeskartellamt prüfe derzeit, wie stark Facebook sei und ob das Netzwerk seine starke Position gegenüber den Kunden missbrauche. "Nach unserer bisherigen Einschätzung hat Facebook im Bereich der sozialen Netzwerke eine marktbeherrschende Stellung", sagte Mundt. "Für solch starke Unternehmen gelten bestimmte kartellrechtliche Vorschriften: Sie dürfen ihre Marktmacht gegenüber den Kunden nicht missbräuchlich ausnutzen."

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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