Politik

Familie war ahnungslosUS-Grenzpolizei überlässt blinden Flüchtling sich selbst - kurz darauf ist er tot

26.02.2026, 17:53 Uhr
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Die US Border Partol bei einem Einsatz in Minneapolis. (Foto: REUTERS)

In den USA wird ein Flüchtling aus der Haft entlassen. Beamte des Grenzschutzes setzen ihn an einem Restaurant ab, obwohl er blind und vermutlich orientierungslos ist. Seine Familie wird nicht informiert. Wenige Tage später wird seine Leiche entdeckt. Die Behörde ist sich keiner Schuld bewusst.

Ein von der US Border Patrol inhaftierter Rohingya-Flüchtling aus Burma ist nach seiner Freilassung verstorben. Sein Anwalt und die Familie werfen den Behörden vor, für den Tod des 56-jährigen Nurul Amin Shah Alam direkt verantwortlich zu sein, wie die "Investigative Post" meldet.

Die Leiche des blinden Mannes wurde am Donnerstag im Bezirk B in Buffalo entdeckt. "Investigative Post" zufolge identifizierte ein Gerichtsmediziner den Mann und erklärte, dass sein Tod "gesundheitlich bedingt" war. Der Befund schließt einen Mord oder ein Versterben infolge einer Unterkühlung aus, wie Ian Ott, Sprecher des Rathauses, mitteilte.

Shah Alam war seit dem 19. Februar verschwunden. An diesem Tag wurde er aus der Haft im Erie County Holding Center entlassen, nachdem er eine Kaution gestellt hatte. Dort saß er seit Februar 2025 ein. Der offizielle Grund war Hausfriedensbruch und Waffenbesitz.

Tatsächlich ist der Fall jedoch ein wenig komplizierter. Shah Alam ist nahezu blind, kann lediglich auf einem Auge einige Meter weit sehen. Zudem spricht er kein Englisch. Als Gehstock nutzte er eine Gardinenstange. Dennoch verirrte er sich auf einem Spaziergang am 15. Februar des Vorjahres. Er betrat versehentlich die Veranda eines Hauses, als deren Bewohnerin gerade ihren Hund hinausließ. Die Frau fühlte sich von ihm bedroht und rief die Polizei. Da Shah Alam die als Waffe identifizierte Gardinenstange nicht fallen ließ, brachten die Beamten ihn mit einem Taser zu Boden - und anschließend in Haft, wie sein Anwalt, Benjamin Macaluso, erklärt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später kam er frei. Laut einem Sprecher kontaktierte das Erie County Sheriff's Office daraufhin die US Border Partol. Deren Beamte nahmen Shah Alam in Empfang und brachten ihn zu einem Schnellrestaurant, wo sie ihn in die Freiheit entließen. Allerdings befindet sich das "Tim Horton's" laut Bericht rund fünf Meilen, also etwa acht Kilometer, von seiner Wohnadresse entfernt.

Ein Sprecher der Grenzschutzbehörde erklärte dazu: Das Schnellrestaurant sei "als warmer, sicherer Ort in der Nähe seiner letzten bekannten Adresse ausgewählt worden, anstatt ihn direkt von der Grenzschutzstation aus freizulassen". Shah Alam "zeigte keine Anzeichen von Not, Mobilitätsproblemen oder Behinderungen, die besondere Hilfe erforderten", so der Sprecher weiter. Ob der Entlassene wusste, wo genau er sich befand, ist dagegen unklar.

Verheerend ist jedoch, dass die Beamten weder seinen Anwalt, Benjamin Macaluso, noch seine Familie über die Freilassung informierten. Macaluso sagte der "Investigative Post", er war davon ausgegangen, dass sein Mandant in das Internierungslager des Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, in Batavia gebracht und von dort aus freigelassen würde. Das war aber nicht der Fall. Da von Shah Alam jede Spur fehlte, suchten seine Familie und sein Anwalt nach ihm. Macaluso meldete ihn am 22. Februar bei der Polizei in Buffalo als vermisst. Drei Tage später wurde seine Leiche entdeckt.

Quelle: ntv.de, als

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