Politik

Tränengas in Idomeni Flüchtlinge stürmen Grenzzaun

Im griechischen Idomeni versuchen hunderte Flüchtlinge und andere Migranten, die Grenze nach Mazedonien zu überqueren. Mazedonische Polizisten reagieren mit Tränengas-Beschuss – und feuern dabei weit auf griechisches Territorium.

Mazedonische Polizisten haben an der abgeriegelten Grenze zu Griechenland Tränengas gegen hunderte Flüchtlinge und andere Migranten eingesetzt. Die Menschen hätten in der Nähe des Grenzübergangs im griechischen Idomeni versucht, die Absperrungen zu durchbrechen, teilte die griechische Polizei mit. Daraufhin hätten die Beamten auf mazedonischer Seite Tränengas eingesetzt.

Die mazedonische Polizei bestätigte die Vorfälle an der Grenze, wies aber den Einsatz von Tränengas zurück. Dafür sei "die griechische Polizei" verantwortlich. Auf mazedonischer Seite sei es "ruhig", erklärte ein Vertreter.

Zu stimmen scheint allerdings eher die Darstellung der griechischen Seite: Eine Journalistin vor Ort berichtete, die mazedonischen Sicherheitskräfte würden das Tränengas weit in griechisches Territorium hinein schießen. Der Beschuss dauere bereits seit mehr als einer Stunde an; der Geruch habe sogar schon die Stadt Idomeni erreicht, schreibt Marianna Karakoulaki auf Twitter. Einige Flüchtlinge hätten angefangen, die Tränengasgranaten zurück auf die mazedonischen Polizisten zu werfen. Ein Mann scheine schwer verwundet worden zu sein. "Man kann Leute 'Fuck you Europe' rufen hören", so Karakoulaki.

Der griechischen Zeitung "Kathimerini" zufolge setzte die mazedonische Polizei auch Blendgranaten ein. Flüchtlinge hätten mit Steinen auf die Polizei geworfen. Nach der Darstellung von Karakoulaki könnten zunächst Aktivisten mit Steinen geworfen haben, später auch Flüchtlinge.

In Idomeni sitzen mehr als 11.000 Flüchtlinge und andere Migranten fest, seit die Route über den Balkan abgeriegelt worden ist. Seit Wochen fordern sie die Öffnung der Grenzen zu Mazedonien, um von dort aus weiter Richtung Deutschland kommen.

Flugblatt rief zu "Marsch auf Grenze" auf

Ausgangspunkt für den erneuten Sturm auf die Grenze war offenbar ein Flugblatt in arabischer Sprache, das am Samstag verbreitet worden war. Darin wurden die Bewohner des wilden Flüchtlingslagers für Sonntagmorgen zum "Marsch auf die mazedonische Grenze" aufgerufen. Über die Flugblätter hatte auch der griechische Radiosender Athina 984 berichtet. Wer sie verteilt und an Strommasten aufgehängt habe, sei bisher nicht bekannt.

Mitte März hatte ein ähnliches Flugblatt für einen Sturm auf den Grenzzaun gesorgt. Rund 2000 Flüchtlinge waren damals der Aufforderung gefolgt, einen reißenden Fluss zu überqueren. Drei Menschen waren dabei ertrunken. Wer es nach Mazedonien schaffte, wurde von den dortigen Sicherheitskräften umgehend zurückgeschickt. Griechische Medien vermuten, dass Aktivisten hinter diesen gefährlichen Aktionen stecken. Diese freiwilligen Helfer stehen in Griechenland zunehmend in der Kritik, weil sie zum Teil eigene politische Ziele wie die Grenzöffnung verfolgen.

Quelle: n-tv.de, hvo/AFP/dpa

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