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CDU-Experte Spahn bei n-tv "Flüge werden bei Ebola-Verdacht umgeleitet"

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Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München - an diesen vier Flughäfen können im Ebola-Ernstfall rasch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ist Deutschland für das Ebola-Virus gerüstet? CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn erklärt im Duell bei n-tv, dass in der Bundesrepublik ausreichend Maßnahmen getroffen würden. Zum Beispiel die Umleitung von Flügen im Verdachtsfall.

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hat zugesichert, dass Flieger mit Ebola-verdächtigen Passagieren nur auf speziellen Flughäfen landen dürfen. "Wenn im Flieger jemand die entsprechenden Symptome bemerkt, dann gibt es vier Flughäfen in Deutschland – Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München – die darauf vorbereitet sind, sofort die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten. Ein solches Flugzeug würde, egal welches Ziel es eigentlich in Deutschland hatte, zu einem dieser vier Flughäfen umgeleitet werden", sagte Spahn in "Das Duell bei n-tv" (Thema: "Kampf gegen Ebola – reicht unser Schutz wirklich?").

Kontrollen an deutschen Flughäfen überflüssig

In den westafrikanischen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea hat der Ebolavirus inzwischen mehr als 4500 Tote gefordert. Bis Jahresende werden tausende Neuinfektionen befürchtet. Spahn hält es dennoch nicht für notwendig, Reisende aus diesen Ländern bei der Ankunft in Deutschland flächendeckend auf Ebola-Symptome zu prüfen: "Die Experten sagen, es hat Sinn, bei den Abflughäfen zu kontrollieren. Aber es ist nicht nötig, das noch an den Ankunftflughäfen zu machen."

Spahn sprach sich auch gegen eine generelle vorbeugende Quarantäne für Einreisende aus den Ebola-Ländern aus: "Das ist einfach nicht notwendig, um die Dinge vernünftig einzudämmen." Solange man sicherstelle, dass jemand, der die entsprechenden Symptome habe, möglichst schnell beim Arzt im Krankenhaus als solcher identifiziert werde. Dann müsse man diese Person isolieren. Darauf sei sowohl das deutsche wie auch das europäische System auch vorbereitet. "Es wäre Wahnsinn, wenn wir zigtausend Menschen über 21 Tage festhalten würden", so Spahn. Ebola hat eine Inkubationszeit von drei Wochen. Erst danach kann mit Sicherheit gesagt werden, ob ein Mensch an dem Virus erkrankt ist.

Zu wenig Spezialisten

Spahns Gesprächspartner Jonas Schmidt-Chanasit, der als Ebola-Experte am Bernhard Nocht Institut in Hamburg arbeitet, kritisierte die Bundesregierung für ihre späte Reaktion auf den Ausbruch der Seuche – daher fehle es jetzt an geschulten Fachleuten für den Einsatz in Westafrika. "Es gibt einfach zu wenig Spezialisten. Man hätte schon frühzeitig im Mai gegensteuern können, als klar war, dass dieser Ausbruch sehr schwer werden wird."

Erst am Montag hatten die ersten rund 20 Freiwilligen der Bundeswehr ein einwöchiges Training begonnen. "Wir brauchen wirklich ein sehr gutes Training – momentan findet das meines Erachtens nur in Würzburg statt", sagte Schmidt-Chanasit, "und da hätte man natürlich auch schon wieder in weiser Voraussicht die Kapazitäten erhöhen können."

Pharmaindustrie hat kein Interesse an Impfstoffen für Afrika

Bislang gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus. Schmidt-Chanasit glaubt nicht, dass Pharmaunternehmen ohne erhebliche staatliche Investitionen aktiv würden: "Es kostet Millionen, Impfstoffe durch die klinischen Phasen zu bringen. Es ist klar, dass die Pharmaindustrie kein Interesse hat. Es sind vernachlässigte Krankheiten, weil sie hauptsächlich Afrika betreffen."

Auch gegen das Lassa- und das Marburg-Virus gebe es noch keinen Impfstoff, so Schmidt-Chanasit. "Ebola ist einer von vielen vernachlässigten Viren. Es war jetzt reiner Zufall, dass gerade das Ebolavirus diesen Ausbruch hervorgerufen hat."

Quelle: n-tv.de

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