Politik
In aktuellen Umfragen liegt die AfD bei 14 Prozent.
In aktuellen Umfragen liegt die AfD bei 14 Prozent.(Foto: dpa)
Montag, 20. August 2018

Ruf nach kultureller Schließung: Forscher: AfD etabliert sich langfristig

Die etablierten Parteien versuchen bislang weitestgehend erfolglos, AfD-Wähler zurückzugewinnen. Auch in Zukunft werden sie damit einer Studie zufolge wenig erfolgreich sein. Denn sozialpolitische Maßnahmen beeindrucken AfD-Anhänger offenbar kaum.

Die AfD wird sich nach Einschätzung von Soziologen der Universität Leipzig wahrscheinlich langfristig in der Parteienlandschaft etablieren. Darauf deutet eine Analyse der Gründe hin, aus denen Menschen die AfD wählen, erläuterte der Soziologe Holger Lengfeld bei der Vorstellung der Studie. Die anderen Parteien können den AfD-Anhängern demnach kaum attraktive politische Angebote machen - gerade wenn es um die Frage der Zuwanderungspolitik gehe.

Hauptsächlich treibe die AfD-Wähler der Wunsch nach "kultureller Schließung" und die Kritik an der Flüchtlingszuwanderung an, so der Professor. "Diese Menschen wollen, dass die Gesellschaft homogen ist mit einer hohen Einheitlichkeit in der Sprache und in der Lebensführung." Dazu komme eine generelle Unzufriedenheit mit der Demokratie.

Für die anderen politischen Parteien sei das ein Dilemma. "Um AfD-Anhänger auf ihre Seite zu ziehen, müssten die etablierten Parteien ihre mehr oder weniger liberalen Positionen in Zuwanderungsfragen zumindest teilweise aufgeben", so Lengfeld. Dadurch würden sie aber riskieren, einen Teil ihrer eigenen derzeitigen Anhängerschaft zu verlieren.

Auch der Versuch der etablierten Parteien, AfD-Wähler mit sozialpolitischen Maßnahmen zurückzugewinnen, sei wenig erfolgversprechend: Weil die Motive der AfD-Wähler überwiegend keine wirtschaftlichen seien, würden Aktionen wie etwa Rentenzuschüsse für Geringverdiener wenig oder gar nichts am derzeitigen Zulauf zur AfD ändern.

Geringqualifizierte fürchten Konkurrenz durch Flüchtlinge

Zwar neigen der Studie zufolge sozial Schwächere häufiger dazu, die AfD zu wählen als die Mittelschichten oder die Bessergestellten. Allerdings ist das vor allem deshalb der Fall, weil diese häufiger als andere Schichten die Zuwanderung von Flüchtlingen ablehnen. Die Wissenschaftler vermuten dahinter eine "Konkurrenzabwehr": Da die meisten Flüchtlinge selbst nur über geringe berufliche Qualifikationen verfügten, konkurrierten beide Gruppen im gleichen Arbeitsmarktsegment um Jobs mit einfachen Tätigkeiten. "Diese Konkurrenz soll die AfD mit ihrem kategorischen Nein zur Zuwanderung verhindern", erklärte der Soziologe.

Für die Studie werteten die Soziologen Daten von mehr als 8400 Befragten des Sozio-oekonomischen Panels aus dem Jahr 2016 aus. Die Analyse wurde in der "Zeitschrift für Soziologie" veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de