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Kosteneffizienter als Batterien Forscher empfehlen Oberleitungsnetz für Lkw

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Auf einigen wenigen Teststrecken können Lkw schon heute mithilfe elektrische Energie aus Oberleitungen fahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Rein batteriebetriebene Lkw sind nicht marktfähig. Zu dieser Einschätzung kommt ein Forschungsteam unter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts. Die Wissenschaftler schlussfolgern, es sei am effizientesten, deutsche Autobahnen mit Oberleitungsnetzen zu versehen - und ernten dafür deutlichen Widerspruch.

Um die CO2-Emissionen im Verkehrssektor deutlich zu reduzieren, empfehlen Forscher den Aufbau von Oberleitungen für Lastkraftwagen auf deutschen Autobahnen. Bei einem Streckennetz von rund 4.000 Kilometern könne ein Drittel des Lkw-Fernverkehrs elektrisch erfolgen, heißt es in einer neuen Studie, die das Öko-Institut mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, der Hochschule Heilbronn und dem Beratungsunternehmen Intraplan Consult veröffentlicht hat. Die direkten Treibhausgasemissionen könnten so jährlich um bis zu 12 Millionen Tonnen Kohlendioxid sinken.

Selbst unter Berücksichtigung des noch nicht voll erneuerbaren Strommixes könne ein Oberleitungs-Lkw im Jahr 2025 seinen CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem heutigen Diesel-Lkw nahezu halbieren. Bis 2030 steige der Vorteil unter den Annahmen des Kohleausstiegs sogar auf 60 Prozent an. Die Studienautoren erwarten, dass sich reine Batterie-Lkw nicht am Markt durchsetzen, weil ihre Speicher zu viel Platz benötigten und die Ladezeiten zu lang wären. Oberleitungs-Lkw hätten diese Nachteile nicht und böten nach den batteriebetriebenen die beste Klimabilanz im Güterverkehr.

Die Kosten für den Aufbau der "eHighways" schätzt das Öko-Institut auf 10,2 bis 12,2 Milliarden Euro. Hinzu komme die jährliche Instandhaltung in Höhe von 2 Prozent der Investitionskosten. Für Spediteure würde sich ab 2025 der Kauf eines Oberleitungs-Lkw nach 1,5 Jahren rechnen. Trucks mit Flüssiggas hätten zwar mit etwa 8 Monaten die kürzeste Amortisationsdauer. Würden Oberleitungs-Lkw von der Maut befreit, wären diese aber in der Hälfte der Zeit wirtschaftlich.

Autobahnelektrifizierung ist "Schnapsidee"

Die Idee ist nicht neu. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) empfahl bereits 2018, die 4000 meistbefahrenen Autobahnkilometer zu elektrifizieren: Der Aufbau einer Oberleitungsinfrastruktur sei "trotz der erforderlichen Infrastrukturinvestitionen die kosteneffizienteste Maßnahme", heißt es in der BDI-Studie "Klimapfade für Deutschland". Bislang gibt es Oberleitungs-Strecken auf der A5 zwischen Langen/Mörfelden und Weiterstadt in Hessen sowie auf der A1 bei Lübeck in Schleswig-Holstein. Laut der Allianz pro Schiene, die dem Projekt wegen der hohen Kosten kritischer gegenübersteht, wurden auch schon Teststrecken nördlich von Berlin und in Baden-Württemberg errichtet.

Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerkes Europäischer Eisenbahnen (NEE), bezeichnete die Elektrifizierung von Autobahnen dagegen als "Schnapsidee". Damit würden die Autobahnen nicht vom Lkw-Verkehr entlastet, die Lkw-Konvois würden im Gegenteil noch länger und dichter. Zugleich drohten viele Milliarden in neuen Stromleitungen und Fahrzeugsubventionen versenkt zu werden, die für den Ausbau der Schiene fehlen würden.

Güter gehörten im Fernverkehr auf die deutlich energieeffizientere Schiene. Im Straßengüterverkehr sollten sich Lkw-Hersteller und Politik vielmehr auf elektrische Antriebe für den Nah- und Verteilerverkehr konzentrieren, zum Beispiel in Form von Batterie- und Brennstoffzellen-Lkw. Bei einer Elektrifizierung von Autobahnen müssten wegen der vielen internationalen Verkehre im Übrigen auch die anderen europäischen Länder mitmachen, damit ein relevanter Klimaschutzeffekt erzielt wird. Das sei im Moment aber nicht erkennbar.

Das Öko-Institut forderte nun die Politik zum Handeln auf. Sie müsse "Planungssicherheit für die Marktakteure geben", erklärte Projektleiter Florian Hacker. "Nur wenn die Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen klar sind, kann ein Umstieg auf klimaschonende Technologien im Güterverkehr gelingen." Die Bundesregierung hat im Klimapaket das Ziel ausgegeben, bis 2030 rund ein Drittel des Güterverkehrs zu elektrifizieren oder mit strombasierten Kraftstoffe zu betreiben. Bis dahin soll der Ökostromanteil auf 65 Prozent ansteigen.

Quelle: ntv.de, lwe/DJ

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