Politik

Das eigene Leben riskiert Frankreich ehrt Helden von Thalys-Angriff

Der französische Präsident Hollande ist sich sicher: Vier Männer verhinderten ein Blutbad, als sie den Angreifer im Thalys-Schnellzug niederrangen. Dafür werden sie nun mit Frankreichs höchster Auszeichnung geehrt.

Für ihren mutigen Einsatz gegen einen schwerbewaffneten Angreifer in einem Thalys-Schnellzug nach Paris sind drei US-Bürger und ein Brite mit dem höchsten französischen Orden geehrt worden. Frankreichs Präsident François Hollande ernannte die vier Männer im Pariser Elysée-Palast zu Rittern der französischen Ehrenlegion.

Mit ihrem Mut hätten sie es ermöglicht, Leben zu retten, sagte Hollande. Die Männer - unter ihnen zwei US-Soldaten - hatten am Freitag den mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr und einer Pistole bewaffneten Angreifer überwältigt. Seitdem werden sie in Frankreich und den USA als Helden gefeiert.

Einer der Soldaten und ein Passagier wurden schwer verletzt. Der verletzte Passagier soll zu einem späteren Zeitpunkt in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden, ebenso wie ein 28-jähriger Franzose, der sich als erster dem Angreifer entgegenstellte und der anonym bleiben will.

Der französische Staatschef geht von terroristischen Absichten des Angreifers aus. "Eine Person hatte entschieden, einen Anschlag im Thalys zu begehen", so Hollande bei der Zeremonie. Der 25-jährige Marokkaner habe genug Waffen und Munition gehabt, um ein Blutbad anzurichten. Dies hätte er auch gemacht, wenn nicht einige Fahrgäste eingeschritten wären.

Mehr Schutz in Zügen

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Präsident François Hollande (M.) zeichnete die vier Zugpassiere für ihren Mut aus.

(Foto: REUTERS)

Der Tatverdächtige war mehreren Geheimdiensten als radikaler Islamist bekannt. Die belgischen Sicherheitsbehörden haben ihn aber nicht für sehr gefährlich gehalten. Deshalb sei er nicht rund um die Uhr überwacht worden, sagte der belgische Innenminister Jan Jambon dem belgischen Sender Radio 1. Die spanischen Behörden stuften ihn dagegen als "potenziell gefährlich" ein.

Der Festgenommene selbst bestreitet aber, dass er einen Terroranschlag verüben wollte. In einer Vernehmung gab er an, er habe die Fahrgäste ausrauben wollen.

Nach dem Vorfall wird auch in Deutschland über Konsequenzen diskutiert: Die Gewerkschaft der Polizei hält einen Einsatz von Sicherheitsbegleitern in Zügen nach dem Vorbild der Sky-Marshalls im Luftverkehr für sinnvoll. Ihr Vize-Bundesvorsitzender Jörg Radek sagte bei n-tv, dafür brauche es aber Personal: "Zurzeit haben wir noch nicht mal genug Personal, um Taschendiebe zu stellen."

Innenminister Thomas de Maizière hatte am Sonntag schon gesagt: "Ich kann mir nicht vorstellen, in jede S-Bahn und in jeden Zug Sicherheitsbeamte zu stellen." Wo es Hinweise gebe, müsse man den Bahnverkehr möglicherweise stärker in den Blick nehmen.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa

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