Politik

Züge fahren wieder fast im Takt Frankreich gönnt sich eine Streikpause

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"Gute Nachrichten kommen nicht von allein": Präsident Macron vor Arbeitern in Dünkirchen.

(Foto: AP)

Die Front der Gewerkschaften gegen die Rentenreform in Frankreich bröckelt. Wegen der Streikpause werden gemäßigte Organisationen mehrfach von Vermummten überfallen. Derweil atmen die Pendler auf: Die Züge im Nah- und Fernverkehr fahren wieder, und Präsident Macron wirbt weiter für Reformen.

Nach wochenlangen Dauerstreiks gegen die Rentenreform hat sich der Bahnverkehr in Frankreich wieder weitgehend normalisiert. Die Züge der meisten Metrolinien in Paris fuhren wieder in normaler Taktung und den ganzen Tag über. Auf einigen Linien gab es aber noch Störungen, am Pariser Ostbahnhof hielten immer noch keine Metros. Auch die Vorstadtzüge fahren wieder regelmäßig - für Pendler eine große Erleichterung. Am Wochenende hatte eine wichtige Lokführergewerkschaft der Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP angekündigt, vorerst eine Streikpause einzulegen.

Ein bedeutendes Zugeständnis der Regierung im Streit um die Rentenreform hatte die Gewerkschaften weiter gespalten. Die gemäßigte Gewerkschaft CFDT zeigte sich offen für Verhandlungen. Danach wurde ihr Hauptsitz zum wiederholten Mal überfallen - fünfzehn Vermummte hätten den Strom kurz abgestellt. Mutmaßlich sind andere Gewerkschaften für die Überfälle verantwortlich.

Die Staatsbahn SNCF will unterdessen mit Billigtickets Kunden zurückgewinnen. Ab Donnerstag sollen eine Woche lang Millionen Fahrkarten für rund 35 Euro für Reisen bis Ostern verkauft werden, kündigte die SNCF an. Auch im Fernverkehr hat sich die Situation mittlerweile stabilisiert, TGV-Schnellzüge fuhren normal. Lediglich bei Regionalbahnen kam es noch zu vereinzelten Störungen. Bereits vergangene Woche hatte die SNCF bekanntgeben, dass sie der Streik bisher knapp eine Milliarde Euro gekostet habe. Besonders über Weihnachten war die Situation schlimm: Nur ein Bruchteil der Züge fuhr, es herrschte Chaos.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schwor die Franzosen unterdessen erneut auf die Notwendigkeit von Reformen ein. "Gute Nachrichten kommen nicht einfach von allein. Es gibt sie, weil unser Land sich reformiert, sich bewegt", sagte er vor Mitarbeitern einer Firma in Dünkirchen. Der Präsident versammelte rund 180 internationale Unternehmenschefs in Versailles, um für Frankreich als Wirtschaftsstandort zu werben.

Quelle: ntv.de, mau/AFP