Politik

Valls wird in Vorwahl favorisiert Franzosen begrüßen Hollandes Rückzieher

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Die Ankündigung von Präsident Hollande, nicht wieder anzutreten, bestimmt natürlich auch die Titelblätter der französischen Zeitungen.

(Foto: dpa)

Die Zahlen sagen viel aus über die Meinung der Franzosen über ihren derzeitigen Staatschef: Mehr als 80 Prozent begrüßen laut einer Umfrage, dass Hollande nicht erneut antritt. Als Favorit bei den Sozialisten gilt nun ausgerechnet dessen Premier.

Eine große Mehrheit der Franzosen hat die Entscheidung von Staatschef François Hollande begrüßt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris Interactive fanden 82 Prozent der Befragten diesen Schritt gut. Nur vier Prozent missbilligten die Entscheidung, 14 Prozent gaben keine Meinung an.

Hollande hatte am Donnerstagabend in einer kurzfristig angesetzten TV-Ansprache verkündet, bei der Präsidentschaftswahl 2017 nicht zur Wiederwahl anzutreten. Er zog damit die Konsequenzen aus seinen historisch niedrigen Zustimmungswerten und dem dramatisch geschwundenen Rückhalt in der eigenen Partei. Umfragen zufolge wäre der 62-Jährige bei einer Kandidatur auf weniger als zehn Prozent gekommen und damit schon in der ersten Runde ausgeschieden. Damit verzichtet in Frankreich zum ersten Mal seit fast 60 Jahren ein amtierender Staatschef darauf, sich um eine zweite Amtszeit zu bemühen.

Valls dürfte Kandidatur verkünden

Jetzt richten sich alle Blicke auf Premierminister Manuel Valls: Der 54-Jährige dürfte schon bald eine Kandidatur für die Vorwahl der Sozialisten im Januar verkünden. Als wahrscheinlich gilt, dass er dann auch als Premierminister zurücktritt. Das würde eine Regierungsumbildung erforderlich machen. Zuletzt hatte Valls den Druck auf den unpopulären Staatschef erhöht, auf eine Kandidatur zu verzichten, um den Sozialisten 2017 ein Wahldebakel zu ersparen. Allerdings schneidet der Premier in Umfragen für die Präsidentschaftswahl derzeit kaum besser ab als Hollande.

Es ist zudem alles andere als ausgemacht, dass er die Vorwahl der Sozialisten Ende Januar für sich entscheidet. Denn mit seinem Reformkurs hat der Vertreter des rechten Parteiflügels viele Gegner bei den Sozialisten. Valls dürfte sich einen harten Kampf unter anderem mit dem früheren Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg liefern, einem Vertreter des linken Parteiflügels.

Laut der Umfrage von Harris Interactive geht Valls aber als Favorit in die Vorwahl der Sozialisten. Demnach ist Valls für 24 Prozent der Befragten der bevorzugte Bewerber. Rund 14 Prozent favorisieren Montebourg. Bei Parteimitgliedern kam Valls sogar auf eine Zustimmung von 57 Prozent. Den Befragten standen noch sechs weitere Personen zur Auswahl.

Rund 47 Prozent der Befragten wollen aber keinen dieser acht Politiker im höchsten Staatsamt sehen. Auch Experten rechnen vielmehr damit, dass es in der zweiten Runde am 7. Mai auf eine Stichwahl zwischen dem konservativen Kandidaten Francois Fillon und Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National hinausläuft.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/rts