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Russische Brexit-Einmischung "Freunde" spendeten Tories Millionen

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Premierminister Johnson muss sich womöglich für die Spenden aus Russland rechtfertigen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hat Russland versucht, das Brexit-Referendum zu beeinflussen? Premierminister Johnson weigert sich, einen Bericht über eine mögliche Einmischung Moskaus freizugeben. Jetzt sickern aber einige Informationen an die Presse durch. Für Johnson dürfte es ungemütlich werden.

Die Namen mehrerer russischer Großspender der britischen Konservativen sollen in einem Parlamentsbericht über Bedrohungen für die Demokratie in Großbritannien aufgeführt sein. Das berichtete die Zeitung "Sunday Times" unter Berufung auf Insiderquellen. Die Partei äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Bericht.

In welchem Zusammenhang die Spender dort genannt werden, ist unklar. Ihre Namen sind ohnehin bekannt. Parteispenden über 7500 Pfund (umgerechnet knapp 8700 Euro) müssen in Großbritannien deklariert werden. Dass sie angeblich aber in einem Bericht über Bedrohungen aus Russland auftauchen, dürfte bei vielen Briten Besorgnis auslösen. Die Regierung hatte sich trotz vehementer Forderungen aus der Opposition in der vergangenen Woche geweigert, den Bericht des Ausschusses für innere Sicherheit und Geheimdienste freizugeben. Untersucht wurde unter anderem, ob es beim Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 Einmischungen aus Russland gab.

Hunderttausende Pfund für "Freund" Johnson

Einige der genannten Spender sollen privaten Kontakt zu Premierminister Boris Johnson pflegen. Dazu gehört unter anderem der Geschäftsmann Alexander Temerko, der Johnson einmal als "Freund" bezeichnete und freimütig über sein enges Verhältnis mit dem Politiker spricht. In den letzten sieben Jahren soll er laut dem Bericht den Tories 1,2 Millionen Pfund gespendet haben.

Als eine weitere Großspenderin wird im Bericht Lubow Tschernuchina erwähnt, die Frau des ehemaligen stellvertretenden Finanzministers Russlands. Im letzten Jahr soll sie der Partei mehr als 450.000 Pfund gespendet haben. Auch ein Sohn des ehemaligen russischen Spions und Inhabers der Zeitung "Eveninig Standart" Alexander Lebedew kommt darin vor. Evgeny Lebedew soll Johnson, als dieser noch Außenminister war, mehrmals auf sein Anwesen in der Nähe von Perugia in Italien eingeladen haben. 

Die Briten sollen am 12. Dezember ein neues Parlament wählen. Im Wahlkampf warf Johnson der Labour-Opposition vor, Sympathien für Moskau zu hegen. Nun dürfte er sich womöglich selbst rechtfertigen müssen.

Quelle: n-tv.de, uzh/dpa

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