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Verwicklung in Bombenanschlag? Freundin von Beate Zschäpe wird verdächtigt

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Die neue Spur führt zu Susann E., eine gute Freundin der Hauptangeklagten im NSU-Prozess Beate Zschäpe.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Juni 1999 explodiert eine Taschenlampe in der Nürnberger Kneipe "Sonnenschein". Ein Mann wird leicht verletzt. Jahre später erinnert er sich einem Medienbericht zufolge an eine junge Frau. Sie ist eine enge Freundin der Hauptangeklagten im NSU-Prozess Zschäpe.

19 Jahre nach der Explosion einer Rohrbombe in einer Nürnberger Kneipe haben Journalisten neue Erkenntnisse zum mutmaßlich ersten Anschlag des NSU zu Tage gefördert. Wie die "Nürnberger Nachrichten" und der Bayerische Rundfunk berichteten, könnte auch eine gute Freundin von Beate Zschäpe in die Tat verwickelt gewesen sein. Es handelt sich demnach um Susann E., die Ehefrau des im Münchner NSU-Prozess Mitangeklagten André E.

Zschäpe steht wegen der dem NSU angelasteten Serie von zehn Morden, 15 Raubüberfällen und zwei Bombenanschlägen vor Gericht. In dem Verfahren hatte der mitangeklagte Carsten S. im Juni 2013 ausgesagt, die 2011 verstorbenen mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten ihm erzählt, in Nürnberg "eine Taschenlampe aufgestellt" zu haben. Damit wurde klar, dass die bislang ungeklärte Explosion einer mit Sprengstoff gefüllten Taschenlampe in der Nürnberger Kneipe "Sonnenschein" am 23. Juni 1999 auch auf das Konto des NSU ging.

Ein Rechercheteam von "Nürnberger Nachrichten" und BR hat nun mit dem Pächter des zerstörten Lokals gesprochen, der bei dem Anschlag verletzt worden war. Der junge Türke hatte Zschäpes Freundin Susann E. demnach bereits 2013 auf einem Foto erkannt. Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) hatten den Wirt dem Bericht zufolge im Juni 2013 nach der Wendung im NSU-Prozess an seinem neuen Wohnort aufgesucht und ihm eine Serie von 115 Bildern vorgelegt. Der Wirt sagte demnach, "dieses Mädchen" komme ihm "dermaßen bekannt vor" und gehe ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Susann E. ist dem Bericht zufolge eine Rechtsextremistin aus Zwickau und enge Freundin von Zschäpe. Susann E. hatte Zschäpe, die jahrelang wenige Kilometer entfernt mit Böhnhardt und Mundlos im Untergrund lebte, demnach regelmäßig besucht. Ihr Ehemann André E. ist im Münchner Prozess wegen Beihilfe zum versuchten Mord und wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Dem Bericht zufolge ist aber unklar, ob das BKA in der Angelegenheit ermittelt. Die Bundesanwaltschaft beantwortete diesbezügliche Anfragen des Rechercheteams nicht.

Juristische Aufarbeitung ist fraglich

Der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der im Münchner NSU-Prozess Opfer vertritt und vom Rechercheteam auf die Zusammenhänge in der Nürnberger Kneipe aufmerksam gemacht wurde, hat demnach bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragt. Er bekräftigte seinen Eindruck, dass das NSU-Trio zur Ausübung seiner Taten Helfer gehabt haben müsse.

Ob der Fall des mutmaßlich ersten NSU-Anschlags juristisch aufgearbeitet wird, ist jedoch fraglich. Die Bundesanwaltschaft hatte dem Bericht zufolge schon im Mai 2015 aus "verfahrensökonomischen Gründen" darauf verzichtet, die Tat im NSU-Prozess anzuklagen. Letzterer geht nach dem Abschluss der Plädoyers am Dienstag weiter. Das Oberlandesgericht München wird noch einmal in die Beweisaufnahme eintreten. Der Senat hat einen Sachverständigen geladen, der über bauliche Details des Hauses befragt werden soll, in dem die Hauptangeklagte Zschäpe zusammen mit den beiden Terroristen Mundlos und Böhnhardt lebte und das sie nach dem Tod der beiden Männer in Brand setzte.

Anlass ist die Forderung der drei Ursprungsverteidiger Zschäpes, diese Tat als einfache Brandstiftung mit einer moderaten Gefängnisstrafe zu ahnden. Die Bundesanwaltschaft sieht die Brandstiftung dagegen als versuchten Mord, weil Zschäpe damit den Tod von drei Menschen in Kauf genommen habe. Die neuerliche Beweisaufnahme wird voraussichtlich nur wenig Zeit beanspruchen. Offen ist, wie das Gericht mit weiteren Beweisanträgen umgehen wird, die bisher nicht beschieden wurden. Möglicherweise geht die Verhandlung in dieser Woche mit den letzten Worten der Angeklagten zu Ende. Danach hätte das Gericht zehn Tage Zeit für die Urteilsberatung.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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