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Das Gesicht des "anderen Israel" Friedensaktivist Uri Avnery ist tot

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In Deutschland geboren, in Israel aufgewachsen: Uri Avnery (1923 - 2018).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sein Leben umspannt die gesamte Geschichte des Staates Israel, von ihren Anfängen bis heute: In Tel Aviv ist der 1923 in Deutschland geborene und 1933 ausgewanderte Ex-Untergrundkämpfer und spätere Friedensaktivist Uri Avnery im hohen Alter gestorben.

Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery ist in der Nacht zum Montag in Tel Aviv gestorben. Ein Sprecher des Ichilov-Krankenhauses bestätigte die Angaben. Der 94-Jährige mit deutschen Wurzeln hatte Anfang des Monats einen Schlaganfall erlitten und lag seither im Krankenhaus.

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Das Gesicht des "anderen Israels": Uri Avnery bei seinem umstrittenen Handschlag mit Palästinenserpräsident Arafat.

(Foto: REUTERS)

Avnery hatte sein Leben dem Kampf für eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt gewidmet. Mit seinem vehementen Einsatz war der streitbare Aktivist allerdings in Israel alles andere als unumstritten. Dabei kannte Avnery aus eigenem Erleben, was es heißt, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen.

Geboren wurde Uri Avnery am 10. September 1923 als Helmut Ostermann im westfälischen Beckum. Er wuchs in Hannover auf. 1933 musste er seine Heimat Deutschland mit seiner Familie unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Verfolgung verlassen. Die Ostermanns wanderten ins damals britisch verwaltete Palästina aus.

Der junge Avnery, damals kaum dem Schulalter entwachsen, nahm seinen hebräischen Namen an und schloss sich der paramilitärischen Untergrundorganisation IZL an, die sich im damaligen britischen Mandatsgebiet für eine zionistisch geprägte Staatsgründung einsetzte. Im ersten Nahostkrieg von 1948 wurde er im Kampf schwer verwundet.

"Ja, es ist möglich"

Im Jahr 1993 gründete der Kriegsveteran aus den Gründungstagen des Staates Israel die Menschenrechtsgruppe Gusch Schalom (Friedensblock), die unter anderem mit Slogans wie "Es gibt ein anderes Israel" oder "Frieden zwischen Israel und Palästina ist möglich" für einen alternativen Ansatz der israelischen Politik warb.

Im In- und Ausland galt Avnery damit als Gesicht des "anderen Israels". Als engagierter Kämpfer für den Frieden erhielt er viel Beifall. In der israelischen Öffentlichkeit wurde er allerdings auch als Verräter an der zionistischen Sache angefeindet. Als Parlamentsabgeordneter hatte er sich nach 1965 in insgesamt drei Amtsperioden für seine Ziele eingesetzt.

Gemeinsam mit seiner Frau Rachel erhielt Avnery 2001 den Alternativen Nobelpreis für die Gründung von Gusch Schalom. Die Lehrerin und Fotografin starb bereits 2011. Wiederholt kam es zu persönlichen Begegnungen zwischen Avnery und dem damaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat. 2002 reiste der prominente Israeli an der Spitze einer israelischen Friedensdelegation nach Ramallah, um seine Solidarität mit den Palästinensern auszurücken.

Avnery schrieb bis zuletzt regelmäßig Analysen für die linksliberale Zeitung "Haaretz" und kommentierte dabei auch innerisraelische Krisen. Für Gusch Schalom erschienen von ihm zuletzt Aufsätze wie "Ja, es ist möglich" und "Ein Neubeginn".

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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