Politik

Erdogan im Kanzleramt Frühstück mit Merkel soll Beziehung stärken

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Laut Anadolu warb Erdogan um weitere Investitionen und betonte, wer in der Türkei investiert habe, habe stets gewonnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beim Besuch von Präsident Erdogan treten Verwerfungen im deutsch-türkischen Verhältnis offen zutage. Ein Frühstück mit Kanzlerin Merkel soll für Entspannung sorgen. Denn die Türkei plant ein wirtschaftliches Großprojekt und ist auf Investitionen angewiesen.

Am dritten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin erneut mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengetroffen. Bei einem zweieinhalbstündigen Arbeitsfrühstück im Kanzleramt ging es in "einem vertieften Gespräch" um das "deutsch-türkische Verhältnis, die innenpolitische Lage in der Türkei und die gemeinsamen Interessen im Kampf gegen den Terrorismus", wie ein Regierungssprecher mitteilte.

Ein wesentliches Thema seien auch die "Möglichkeiten" gewesen, "die wirtschaftlichen Beziehungen weiter zu stärken". Außerdem sei über die Lage in Syrien und die Zusammenarbeit in der Flüchtlings- und Migrationspolitik gesprochen worden, erklärte der Sprecher.

Bei dem Arbeitsfrühstück wurde Erdogan nach Angaben der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu von Finanz- und Wirtschaftsminister Berat Albayrak, Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Industrieminister Mustafa Varank begleitet.

Am Vortag hatte Erdogan in Berlin Vertreter führender deutscher Unternehmen und Banken getroffen. Laut Anadolu warb er dabei um weitere Investitionen und betonte, wer in der Türkei investiert habe, habe stets gewonnen. Die deutschen Unternehmer stellten demnach ihre Investitionspläne vor und baten Erdogan um Unterstützung.

"Tiefgreifende Differenzen" bei wichtigen Themen

An dem Treffen nahmen laut Anadolu der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, der Präsident der Außenhandelskammer in Istanbul, Markus Slevogt, der Präsident der türkischen Handelskammerunion, Rifat Hisarciklioglu, und der Leiter des Türkischen Auschusses für ausländische Wirtschaftsbeziehungen, Naik Olpak, teil.

Medienberichten von Anfang September zufolge will Ankara mit deutscher Hilfe ein modernes Bahn-Hochgeschwindigkeitsnetz bauen. Auf deutscher Seite sei ein Konsortium unter Führung von Siemens an dem milliardenschweren Projekt beteiligt.

Bei Erdogans Besuch waren am Freitag Verwerfungen im deutsch-türkischen Verhältnis offen zutage getreten. Die Kanzlerin sprach von "tiefgreifenden Differenzen" bei den Themen Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Der türkische Staatschef übte bei einer Pressekonferenz und später bei einem Staatsbankett mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Abend Kritik an der Bundesregierung und bekräftigte seine Forderung nach einer Auslieferung des im deutschen Exil lebenden türkischen Journalisten Can Dündar.

Quelle: ntv.de, lri/AFP