Politik

Gloria von Thurn und Taxis Fürstin lobt afrikanische Familienplanung

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Italiens Vize-Premier Salvini war Hauptredner auf dem Familienkongress.

(Foto: imago images / Italy Photo Press)

Seit Freitag tagt in Verona der Weltkongress der Familie. Geladen sind erzkonservative Christen und rechte Politiker. "Ein Land ohne Babys ist ein Land im Sterben", sagt Italiens Rechtsaußen Salvini. Und Gloria von Thurn und Taxis überrascht mit einem Sinneswandel.

In der norditalienischen Stadt Verona hat William Shakespeare seine Tragödie "Romeo und Julia" angesiedelt. Touristenscharen pilgern jedes Jahr zum berühmten Balkon, von dem aus Julia auf ihren Geliebten gewartet haben soll. Doch die Familien der zwei waren so verfeindet und strikt gegen ihre Liebe, dass sich das Paar das Leben nahm.

Es ist ein Drama, das vielen der 1500 Teilnehmer am World Congress of Families (WCF), der seit Freitag in der Stadt tagt, beispielhaft erscheint. Denn waren es damals die Familien, die sich dem Liebesglück in den Weg stellten, ist es heutzutage ihrer Meinung nach der Mainstream, der die wahre Liebe missachtet.

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"Abtreibung ist kein Mord": Tausende Menschen demonstrierten in Verona gegen den Kongress.

(Foto: REUTERS)

Die Teilnehmer, die im Palazzo della Gran Guardia im Herzen Veronas meist hinter verschlossenen Türen tagten, gaben sich kämpferisch. "Ich bin überzeugt, dass die Pro-Familien-Bewegung in den kommenden Jahren viele Schlachten und am Ende auch diesen Kulturkrieg gewinnen wird", sagte der Spanier Ignacio Arsuaga. Der Chef der Organisation CitizenGo wetterte gegen "radikale Feministinnen", "die Abtreibungsindustrie" und "säkulare Liberale", die die Religion aus dem öffentlichen Raum verbannen wollten. Die Abtreibungsgegner verteilten auch Plastikfiguren menschlicher Föten.

Schafft sich Europa ab? Die Ideologie des Westens - nicht die politische, sondern die gesellschaftliche - sei die große Gefahr heute. So zumindest drückte sich am Samstag Fürstin Gloria von Thurn und Taxis aus, die als Gast geladen war.

"Für das menschliche Leben nichts mehr übrig"

Ganz in Schwarz gehüllt unterhielt sie sich auf der Bühne mit dem Vorsitzenden des WCF, Brian Brown. "Wir sind auf organische Lebensmittel versessen, doch für das menschliche Leben haben wir nichts mehr übrig", meinte sie. Die Familie, wie es sie schon immer gab, gelte heute als rückständig. Nichtsdestotrotz blicke sie zuversichtlich in die Zukunft, sagte die Fürstin. Die Migration aus Afrika nach Europa habe nämlich auch eine gute Seite, "denn afrikanische Menschen glauben noch an die Familie und afrikanische Menschen vertrauen noch in den Glauben".

In Afrika sei die Welt noch in Ordnung, sagte sie, und das wisse sie aus eigener Erfahrung, da sie selber ein Haus in Kenia besitze. Und wenn jemanden die Afrikaner als "primitiv" erscheinen mögen, dann seien wir im Westen "degeneriert". Ein erstaunlicher Sinneswandel, möchte man sagen - hatte die Gräfin doch einst behauptet, Afrika habe ein Aids-Problem, "weil der Schwarze gerne schnackselt".

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Der Vatikan äußerte sich reserviert zum Kongress, auf dem jedoch der Erzbischof von Verona, Giuseppe Zenti, auftrat.

(Foto: imago images / Independent Photo Agency Int.)

Der Applaus für das Afrika-Plädoyer der Fürstin fiel allerdings aus. Das konnte auch nicht anders sein, denn die Redner, die Gäste und das Publikum dieses Kongresses, der jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet, vertreten nicht nur ein erzkonservatives Weltbild, sondern gehören politisch dem rechtskonservativen bis hin zum nationalistischen und völkischen Spektrum an. Hinter dem Kongress steht die Internationale Familienorganisation (IOF), die als evangelikal-fundamentalistisch gilt.

Die Liste der geladenen Redner lieferte dazu den Beweis. Man findet den Namen der ugandische Abgeordnete Lucy Akello, in deren Land Homosexualität schwer geahndet wird, den des russisch-orthodoxen Erzpriesters Dmitri Smirnow, der Homosexualität mit einer Seuche vergleicht, und unter den geladenen Gästen den des Erzbischofs von Verona, Giuseppe Zenti, für den Abtreibung ein Verbrechen ist. Ungarns Familienministerin Katalin Novak lobte wiederum ihren Premier Viktor Orbán, der nicht nur "zugunsten der Familie spricht, sondern auch handelt", während die EU das demografische Problem in Europa mit der "Einfuhr" von Millionen von Migranten zu lösen gedenke.

"Ein Land ohne Babys ist ein Land im Sterben"

Schon Wochen vor dem Kongress hatte es in Italien lauten Protest gegen den Kongress gegeben. Die Universität in Verona hatte den Organisatoren ihre Räumlichkeiten verweigert. 100.000 Menschen unterschrieben eine Petition, in der sie die Regierung aufforderten, den Kongress nicht zu unterstützen. Und nach kurzer Erwägung entschloss sich Premier Giuseppe Conte, die Schirmherrschaft der Regierung nicht zu billigen. Vom Vatikan wiederum kam nur die Stellungnahme des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin, das Treffen sei von der Sache her korrekt, aber von der Methode her vertrackt. Dieser Auffassung schloss sich Papst Franziskus an.

Die Organisatoren ließen sich aber nicht entmutigen und wandten sich gezielt an Minister und Politiker der rechtsnationalen Lega, unter denen sie willige Unterstützer fanden. Der Bürgermeister von Verona, Federico Sboarina, stellte den Palazzo gratis zur Verfügung. Der Familienminister Lorenzo Fontana und der Gouverneur der Region Veneto übernahmen das Patronat.

Äußerst geschickt balancierte denn auch Lega-Chef und Vize-Premier Matteo Salvini als Hauptredner am Samstagnachmittag durch das gefährliche Terrain. Denn nicht alle Lega-Wähler heißen die Veranstaltung gut, erst recht nicht der Chef des Koalitionspartners, der Fünf-Sterne-Bewegung. Die Veranstaltung gehöre größtenteils "ins Mittelalter", sagte Luigi Di Maio. Einerseits versicherte Salvini also, gesellschaftliche Errungenschaften wie Abtreibungs- oder Scheidungsrecht stünden nicht zur Debatte. Andererseits lobte er die Veranstalter für ihren Mut, sich dem Mainstream zu widersetzen.

Salvini sprach sich für die Unterstützung heterosexueller Paare aus. Ihnen müsse geholfen werden, mehr Kinder zu bekommen, sagte er. Dies sei die Pflicht der Regierung. "Als stellvertretender Ministerpräsident dieses Landes will ich am Ende meiner fünfjährigen Amtszeit danach beurteilt werden, ob die Italiener wieder mehr Sicherheit und Jobs haben und beginnen, wieder Babys bekommen, denn ein Land ohne Babys ist ein Land im Sterben", so Salvini.

Doch während sich im noblen Palazzo die geladenen Redner am Pult abwechselten, protestierten auf der Straße an die 20.000 Gegendemonstranten aus dem linken und feministischen Lager gegen patriarchale, konservative und rückständige Familienmodelle. Allerdings machen auch die Unterstützer mobil: Tausende Menschen wollten zum Abschluss des Kongresses für den WCF auf die Straßen gehen.

Quelle: n-tv.de, mit dpa