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In Gletschergebiet im Kaukasus Gebirgsjäger entdecken Weltkriegsgräber

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Die Expedition stützte sich auf Fotos und Pläne der Wehrmacht.

(Foto: Uwe Zucchi/Deutsche Kriegsgräberfürsorge/dpa)

Noch immer sind unzählige im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten nicht gefunden worden. Einige Angehörige könnten aber bald Nachricht erhalten: Denn an der russisch-georgischen Grenze finden Gebirgsjäger nun Soldatenfriedhöfe.

Deutsche und russische Gebirgsjäger suchen in einem abgelegenen Gletschergebiet im Nordkaukasus nach Überresten von gefallenen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Nahe der georgischen Grenze haben sie aller Wahrscheinlichkeit nach zwei Friedhöfe gefunden, bestätigte die Generalsekretärin des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Daniela Schily. "Wir sind uns sicher, dass wir die exakten Stellen ausfindig gemacht haben", sagte Schily, die selbst an der Expedition teilnahm.

In einer Höhe von rund 2600 Metern nahe der georgischen Grenze am Kluchor-Pass wurde demnach ein größerer Friedhof der Wehrmacht ausfindig gemacht, wo bis zu 200 Gräber liegen sollen. Ein weiterer kleinerer Friedhof könnte nach einem Lawinenabgang abgerutscht sein.

Vermutlich stammen die Gräber aus der sogenannten Sommeroffensive im Juli 1942 - damals stieß die Wehrmacht bis zum Kaukasus vor. Bereits wenige Monate später begann der deutsche Rückzug aus der Region. Rund 130.000 deutsche und mehr als 340.000 sowjetische Soldaten und Zivilisten starben bei der Offensive. Nach Angaben des Volksbundes wurden bislang erst knapp 18.000 Deutsche geborgen und auf dem Sammelfriedhof in Apscheronsk in Südrussland bestattet, der vor genau zehn Jahren eingeweiht worden war. Am Samstag soll dort bei einer Gedenkfeier an die Gefallenen erinnert werden. Tausende gelten weiterhin als vermisst.

Der Volksbund arbeitet seit rund 25 Jahren gemeinsam im Auftrag der Bundesregierung mit russischen Behörden zusammen. Werden Überreste von Gefallenen gefunden und mit Hilfe von Erkennungsmarken und Dokumenten eindeutig identifiziert, werden Angehörige kontaktiert und die Gebeine umgebettet.

Expedition durch Schmelzen der Gletscher möglich

Die Expedition im Elbrus-Massiv sei erst durch das Abschmelzen der Gletscher möglich geworden, hieß es vom Volksbund. Zudem habe der Konflikt um die abtrünnige georgischen Provinz Abchasien die Planung in der Grenzregion erschwert. Insgesamt waren zwölf Gebirgsjäger im Einsatz, die erste Expedition dauerte zehn Tage. Die Suche soll jedoch fortgesetzt werden.

Bei dem Einsatz stützt man sich laut Volksbund auf Fotos und Pläne der Wehrmacht, die die Lage der Friedhöfe eindeutig zeigten. "Wir haben auch Patronen und Gewehre entdeckt. Es ist klar, dass wir an der richtigen Stelle gesucht haben", sagte Schily. Auch Zeitzeugen hätten dies bestätigt.

Ausgangspunkt waren Hinweise eines Russen, der vor rund zwei Jahren angeblich beim Wandern im Eis Knochen von Soldaten entdeckt und dies einem russischen Boulevard-Blatt mitgeteilt hatte. Daraufhin sei auch der Volksbund auf diesen möglichen Fund aufmerksam geworden, sagte Schily. Die Gebirgsjäger hätten die Gebeine jedoch trotz der Koordinaten des Wanderers nicht entdeckt. "Das kann viele Gründe haben: Vielleicht wurden sie schon entfernt, Tiere könnten sie gefunden haben oder der Mann hat eine falsche Stelle angegeben", sagte Schily. "Wir sind es aber den Angehörigen schuldig, weiter zu suchen."

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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