Politik

Präsident Donald Trump Gibt es doch Grund zum Optimismus?

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Im Wahlkampf 2012 hat Trump Romney unterstützt. Vier Jahre später sah Romney Trump als Gefahr für Amerika.

(Foto: AP)

Im US-Wahlkampf gehörte Mitt Romney zu den schärfsten Kritikern von Donald Trump. Jetzt trifft er sich mit dem künftigen Präsidenten und ist als dessen Außenminister im Gespräch. Das zeigt: Barack Obama könnte recht haben.

Er sei immer optimistisch, sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstagabend im Kanzleramt auf die Frage, was ihn hoffen lasse, dass sein Nachfolger Donald Trump doch noch ein berechenbarer und verlässlicher Präsident würde. Aber er nannte auch einen konkreten Grund, warum er "vorsichtig optimistisch" sei.

Obama vertraut auf "die ungeheuren Verantwortungen, die die Vereinigten Staaten haben". Dies zwinge einen, sich zu konzentrieren. "Es verlangt, dass man diese Probleme ernsthaft anpackt und dass man ernsthaft vorgeht. Wer diese Aufgabe nicht mit Ernsthaftigkeit übernimmt, wird voraussichtlich nicht sehr lange in diesem Amt bleiben."

Das klingt reichlich abstrakt und nach Zweckoptimismus. Und tatsächlich richtet Obama seinen Optimismus grundsätzlich eher auf die Zeit nach Trump. Doch es gibt auch Anzeichen, dass Obamas Hoffnung nicht völlig unbegründet ist.

An diesem Wochenende will Trump sich mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 2012, Mitt Romney, treffen. Nach Informationen des Senders NBC ist Romney einer der Kandidaten, die als Außenminister im Gespräch sind.

"Ich hätte sagen können: Mitt, auf die Knie"

Allein das Treffen ist ungewöhnlich. Im Wahlkampf hatte Romney sich mit sehr deutlichen Worten gegen Trump ausgesprochen. Er nannte ihn einen Schwindler und Betrüger, der charakterlich nicht geeignet sei, Präsident zu werden. "Denken Sie nur an Donald Trumps persönliche Eigenschaften", sagte Romney im März in einer Rede. "Wie er Leute mobbt. Seine Gier. Seine Prahlerei. Seine Frauenfeindlichkeit. Seine absurde Drittklässler-Theatralik." Damals forderte Romney seine Partei auf, einen anderen Kandidaten für den Nominierungsparteitag zu finden. Er war sogar selbst dafür im Gespräch, lehnte aber ab.

Trump reagierte seinerzeit mit ebenso scharfen Gegenangriffen. "Da könnt ihr sehen, wie loyal er ist", sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung. 2012 habe Romney ihn um Unterstützung angefleht. "Ich hätte sagen können: 'Mitt, auf die Knie', und er hätte sich hingekniet. Er hat gebettelt. Wirklich. Er hat mich angebettelt."

Man könnte also glauben, dass diese beiden sich nicht viel zu sagen haben. Doch so läuft es nicht nach Wahlkämpfen in den USA. Am vergangenen Sonntag teilte Trump über sein Lieblingsmedium Twitter mit, Romney habe ihn angerufen, um ihm zum Wahlsieg zu gratulieren. "Sehr nett!"

Die Initiative ging von Trump aus

Der "New York Times" zufolge ging die Initiative zu einer Kontaktaufnahme nach der Wahl von Trump aus. Wenn er auch nur halb so selbstherrlich ist, wie es im Wahlkampf (und in den Jahren davor) den Anschein hatte, dann war dies ein ziemlich großer Schritt für ihn. Immerhin hat Romney ihn nicht einmal gewählt – er werde weder Trump noch Hillary Clinton wählen, hatte Romney im Mai gesagt.

Mit Blick auf die Außenpolitik gibt es durchaus Differenzen zwischen Romney und Trump. Romney hat Russland vor vier Jahren als "außenpolitischen Feind Nummer eins" der USA bezeichnet. Trump dagegen hat im Wahlkampf Russland und den russischen Präsidenten Wladimir Putin immer wieder gelobt.

Bislang ist es nur ein Treffen, mehr nicht. Und Trump hat auch schon Personalentscheidungen gefällt, die völlig andere Signale aussenden, allen voran die Tatsache, dass er den radikal rechtskonservativen Steve Bannon als Präsident zu seinem Berater machen will. Bannon ist der ehemalige Herausgeber der Nachrichtenseite Breitbart, die er zu einer Schmutzschleuder umgebaut hat.

Und natürlich würde auch ein Außenminister Romney nichts daran ändern, dass Trump seinen Wahlkampf mit Hetzreden und Halbwahrheiten geführt hat. Aber, wie Obama sagte, es gibt Grund zu vorsichtigem Optimismus. Die USA seien ein großes und komplexes Land, so der scheidende Präsident bei seinem Auftritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Die einzige Art, wie man erfolgreich sein kann, ist, dass man tatsächlich überall mit einer Vielzahl von Personen zusammenarbeitet. Daher würde ich hoffen, dass das tatsächlich auch der Fall sein wird."

Quelle: ntv.de