Politik

Vize übernimmt Grenell ist nicht mehr US-Botschafter

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Grenell wird sich wohl im Wahlkampfteam Trumps engagieren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach gut zwei Jahren im Amt ist Richard Grenell als US-Botschafter in Deutschland zurückgetreten. Den Posten hat vorübergehend seine Stellvertreterin Robin Quinville übernommen, wie Botschaftssprecher Joseph Giordono-Scholz sagt.

Nach gut zwei Jahren im Amt ist Richard Grenell als US-Botschafter in Deutschland zurückgetreten. Seinen Posten hat vorübergehend seine Stellvertreterin Robin Quinville übernommen, wie Botschaftssprecher Joseph Giordono-Scholz sagte.

Grenell hat seinen Rücktritt bereits am Montagabend in Washington während eines Besuches bei US-Präsident Donald Trump erklärt. Bereits in der vergangenen Woche hatte der 53-Jährige seinen Posten als geschäftsführender Geheimdienstkoordinator der US-Regierung abgegeben, nachdem John Ratcliffe vom Senat für dieses Amt bestätigt worden war.

Quinville ist nach Botschaftsangaben seit 1988 im Auswärtigen Dienst der USA. Sie blickt auf Stationen als Mitglied der US-Delegation bei der OSZE in Wien, bei der Nato, in Zypern, in Bosnien und Athen zurück. Für ein Jahr war sie Stabschefin von Botschafter Charles Ries in Bagdad und anschließend in London und von 2012 bis 2015 bereits in Berlin. Seit 2018 ist sie wieder Botschaftsmitarbeiterin in der deutschen Hauptstadt. Sie hat Hochschul-Abschlüsse in europäischer Geschichte.

Grenell im politischen Berlin isoliert

Was Grenell nun vorhat, ist unklar. Es wird spekuliert, dass er ins Wahlkampfteam Trumps wechseln könnte. Grenell gilt als extrem loyal zu Trump und rühmt sich immer wieder eines guten Drahtes ins Weiße Haus. Über Twitter schickt er gerne Bilder mit dem Präsidenten in der Air Force One oder teilt mit, dass er gerade mit ihm telefoniert habe.

Als Botschafter in Berlin sah Grenell seine Aufgabe darin, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu vertreten - auf unkonventionelle, eher undiplomatische Weise. Im politischen Berlin hat sich der Mann aus Michigan im Mittleren Westen der USA mit seiner rabiaten Art kaum Freunde gemacht.

Er hatte die Bundesregierung wiederholt kritisiert, zuletzt Außenminister Heiko Maas im Streit um die amerikanische Kündigung des Militärabkommens "Open Skies". Zudem hatte er der Bundesregierung mit einer Einschränkung der Geheimdienstzusammenarbeit beider Staaten gedroht, sollte der chinesischen Hersteller HuaweiHWT.UL nicht vom Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes ausgeschlossen werden. Auch hatte er davor gewarnt, dass deutsche Unternehmen vor einem "erheblichen Sanktionsrisiko" stünden, die sich am Bau der russischen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligten.

Sein bester Kontakt in die Bundesregierung ist Gesundheitsminister Jens Spahn. Im Auswärtigen Amt und im Kanzleramt kam seine Amtsführung dagegen nicht besonders gut an. Aus der Opposition kamen sogar vereinzelt Forderungen, ihn zur "unerwünschten Person" zu erklären und damit quasi auszuweisen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts