Politik

Katastrophenhilfe steht bereit Griechenland bricht langsam zusammen

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Die Folgen der Kapitalverkehrskontrollen sind gravierend: Spediteure müssen den Betrieb einstellen, Leute können nicht mehr reisen, Familien fürchten ums Überleben.

(Foto: REUTERS)

Während die Politik verhandelt, wie und ob Griechenland geholfen werden kann, geht der Bevölkerung langsam die Puste aus. Durch die Bargeldknappheit funktionieren alltägliche Dinge nicht mehr. Das Rote Kreuz organisiert bereits Überlebensnothilfe.

Für die Menschen in Griechenland wird die Lage immer schwieriger. Durch das knappe Bargeld brechen langsam aber sicher Teile des Alltagslebens zusammen. Hilfsorganisationen bereiten sich auf dramatische Szenarien vor. So organisiert das Deutsche Rote Kreuz bereits Überlebenshilfen für notleidende Griechen - für den Fall der Fälle.

Der Chef der französischen Zentralbank warnte vor Aufruhr und Chaos, falls es nicht bis Sonntag zu einer Einigung zwischen griechischer Regierung und den Gläubigern komme. "Die griechische Wirtschaft steht am Rande einer Katastrophe", sagte Christian Noyer dem Radiosender Europe 1. Nach Verstreichen der Frist sei es "zu spät und die Konsequenzen werden schwerwiegend sein."

In seiner Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg sagte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, das Volk sei "am Ende der Belastbarkeit angelangt".

Transport- und Reiseverkehr kaum noch möglich

Bereits jetzt sind die Griechen in vielerlei Hinsicht stark eingeschränkt. So können sie Flugtickets nur noch gegen Barzahlung oder mit einer ausländischen Kreditkarte kaufen. Mehr als 35 Fluggesellschaften haben die griechischen Reiseagenturen benachrichtigt, dass sie deren Buchungen nicht mehr akzeptieren. Die Kunden müssen stattdessen direkt am Flughafenschalter zahlen.

Die Kapitalverkehrskontrollen führen zum Zusammenbruch des Transportwesens. Die Transportunternehmen können ihre Lastwagen nicht betanken, weil 60 Euro hierfür nicht reichen. Hunderte griechische Lastwagenfahrer im In- und Ausland haben keine Möglichkeit die Treibstoffe zu bezahlen. Die griechischen Kreditkarten werden im Ausland nicht mehr akzeptiert.

Auch im Inland gebe es große Probleme. Lieferungen auf die Inseln sind nur gegen Barzahlung möglich. Auf den Inseln könne es bald zu Versorgungsengpässen kommen, sagten übereinstimmend Bürgermeister im griechischen Fernsehen.

Anfragen an SOS-Kinderdörfer

Auf solche Szenarien bereitet sich auch schon das Deutsche Rote Kreuz vor. Es gebe Schwierigkeiten bei der medizinischen Versorgung, teilte ein Sprecher mit. "Hinzu könnten Probleme bei der Grundversorgung kommen, wenn sich die Finanzlage weiter zuspitzt und sich viele Menschen den Kauf lebensnotwendiger Güter kaum mehr leisten können."

Die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer wies darauf hin, dass Tausende Familien aus Griechenland anfragen, ob sie ihre Kinder in einem der Kinderdörfer in Obhut geben könnten. "Viele Familien drohen auseinanderzubrechen, weil sie dem Druck von Langzeitarbeitslosigkeit und Armut nicht standhalten können", sagte der Leiter der Organisation in Griechenland, George Protopapas. Als Folge davon würden viele Kinder verlassen oder vernachlässigt. Bei einem "Grexit", dem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, befürchte er "für die Familien das Schlimmste", sagte Protopapas.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP