Politik

Aus Mariupol in letzter Minute Griechischer Konsul: Stadt zerstört "wie Stalingrad"

Bis letzten Dienstag harrt der griechische Konsul in Mariupol aus, um Landsleute in Sicherheit zu bringen. Seine eigene Flucht aus der Ukraine dauert fast eine Woche. Nun ist er zurück in Athen und schildert das Grauen in der umkämpften Hafenstadt. Ihr drohe das gleiche Schicksal wie anderen Städten, die in Kriegen dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Einer der letzten europäischen Diplomaten hat die belagerte ukrainische Hafenstadt Mariupol verlassen. Nach seiner Rückkehr in Athen sagte der griechische Konsul Manolis Androulakis: "Mariupol wird in eine Liste von Städten in der Welt aufgenommen werden, die durch den Krieg völlig zerstört wurden, wie Guernica, Stalingrad, Grosny, Aleppo." Er rief die Menschen dazu auf, "ihre Stimmen zu vereinen, um einen Waffenstillstand zu fordern", um Zivilisten zu evakuieren.

In Griechenland wird Androulakis als Held gefeiert, weil er bis zuletzt erfolgreich die Ausreise zahlreicher griechischer Bürger aus der Stadt organisiert hatte. In der Ukraine gibt es seit dem 18. Jahrhundert eine große griechische Minderheit, die vor allem in der Oblast Donetsk und in der Region Mariupol lebt. "Wir haben versucht, so viele Auswanderer wie möglich zu retten", sagte Androulakis, der selbst mehrere Tage mit Auto und Flugzeug unterwegs war, bevor er am Sonntag in Athen landete. Er bedankte sich auch bei den Familien, die ihn bei seinem Weg aus der Ukraine beherbergt hatten.

Er schilderte schlimme Szenen aus der Hafenstadt, wo er nach russischen Angriffen auf den Straßen verstreute menschliche Gliedmaßen gesehen hatte. Die Zivilisten würden "blind" und ohne Zurückhaltung angegriffen und seien "hilflos", sagte er. Innerhalb von 24 Stunden sei die komplette Infrastruktur in der Stadt zerstört worden. Androulakis betonte: "Helden sind die Menschen, die dort geblieben sind und versuchen werden, ihr Leben von Grund auf neu aufzubauen". Seit 20 Jahren habe er mit Russland zu tun. "Was hier geschieht, ist eine Tragödie sowohl für das ukrainische als auch für das russische Volk."

Mariupol ist die letzte große Hafenstadt am Asowschen Meer unter ukrainischer Kontrolle. Seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung mehr als 2100 Einwohner der Stadt getötet. Die Lage für die Menschen der belagerten Stadt sei "katastrophal".

Quelle: ntv.de, ino/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen