Unmut im Osten besonders hochGroße Mehrheit hält Wohlstand in Deutschland für ungerecht verteilt

Die zehn Prozent der reichsten Haushalte besitzen in Deutschland mehr als die Hälfte des Vermögens. Das ruft bei vielen Deutschen ein Ungerechtigkeitsempfinden hervor. Eine Mehrheit spricht sich für eine Rückkehr zur Vermögenssteuer und eine höhere Erbschaftssteuer aus.
81 Prozent der Deutschen empfinden die Verteilung des Wohlstands im Land als ungerecht. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des WDR, für die Infratest dimap im April bundesweit 2084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren befragte. Nur 15 Prozent der Befragten äußerten die Ansicht, dass der Wohlstand in Deutschland gerecht verteilt sei.
Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien kritisieren demnach die Wohlstandsverteilung in Deutschland mehrheitlich als ungerecht. Besonders ausgeprägt sei das Ungerechtigkeitsempfinden der Umfrage zufolge in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in der Region Berlin und Brandenburg, wo es jeweils 90 Prozent ungerecht finden, wie der Wohlstand verteilt ist.
Der WDR-Umfrage zufolge sprechen sich auch jeweils eine Mehrheit der Deutschen für eine Rückkehr zur Vermögenssteuer und für eine höhere Erbschaftssteuer aus. Demnach befürworten 64 Prozent der Deutschen eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer. 29 Prozent sprechen sich dagegen aus.
Schwarz-rot bei Vermögenssteuer gespalten
Zustimmung erhält eine Rückkehr zur Vermögenssteuer neben Sympathisanten von Linken (88 Prozent), Grünen (87 Prozent) und SPD (84 Prozent) auch von Menschen, die der Union nahestehen (62 Prozent). Unter AfD-Anhängern sind 52 Prozent dagegen und 42 Prozent dafür.
Die Vermögenssteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Grund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz sah: Immobilien wurden im Vergleich zu Geldvermögen oder Wertpapieren ungleich berechnet. Eine Vermögenssteuer an sich wurde also nicht ausgeschlossen, es wäre aber eine Reform nötig gewesen.
Die schwarz-rote Bundesregierung ist beim Thema höhere Steuern für Reiche generell gespalten. Während die SPD grundsätzlich offen dafür ist, lehnen viele Unionspolitiker eine Vermögenssteuer ab. Im vergangenen Jahrzehnt besaßen laut dem aktuellen Reichtumsbericht der Bundesregierung die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte 54 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung besaßen dagegen nur etwa drei Prozent des Gesamtvermögens.
Eine Erhöhung der Steuer auf hohe Erbschaften wird laut der Umfrage ebenfalls mehrheitlich (61 Prozent) unterstützt; jeder Dritte (32 Prozent) ist dagegen. Auch hierfür zeigen sich Anhänger von Grünen (88 Prozent), Linke (85 Prozent), SPD (78 Prozent) und Union (64 Prozent) mehrheitlich offen, während unter Sympathisanten der AfD 62 Prozent dagegen sind und jeder Dritte (33 Prozent) dafür.