Politik

Häufung von Corona-Fällen Grüne fordern Kontrollen in Schlachthöfen

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Das Coronavirus hatte sich in dem fleischverarbeitenden Betrieb Westfleisch in Coesfeld ausgebreitet.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

In Schlachthöfen in Nordrhein-Westfalen treten gehäuft Coronavirus-Infektionen auf. Die Grünen fordern deshalb eine Reaktion der Politik. Dabei geht es nicht nur um Hygiene, sondern auch um das "ausbeuterische Geschäftsmodell" in der Branche.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat ein rasches Einschreiten der Politik gefordert, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus unter Mitarbeitern von Schlachthöfen zu stoppen. "Die Betriebe müssen häufiger und besser kontrolliert und die Hauptverantwortlichen der Konzerne konsequenter zur Rechenschaft gezogen werden können", sagte Hofreiter der Nachrichtenagentur AFP. Mit dem "ausbeuterischen Geschäftsmodell" in der Schlachtbranche, das den Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter völlig vernachlässige, müsse nun "Schluss sein".

Das massenhafte Auftreten von Corona-Infektionen unter Schlachthofmitarbeitern in Nordrhein-Westfalen führe nun die Missstände in der Branche vor Augen, sagte Hofreiter. "Corona offenbart die unhaltbaren Zustände in einigen Schlachthöfen", sagte er. "Schon vor der Krise war bekannt, wie mies die Hygiene in vielen Betrieben ist. Das liegt auch an den extrem schlechten Arbeitsbedingungen - von mangelhafter Ausrüstung bis ausbeuterischen Arbeitszeiten."

Ein "zentrales Problem" sei die Unterbringung in "überbelegten, miserablen Unterkünften", für die die Arbeiter oftmals auch noch viel Geld zahlen müssten, sagte Hofreiter. Hier müssten Politik und Behörden aktiv werden. Die "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" müsse besser ausgestattet werden. "Und die Arbeitskräfte, die aus dem Ausland kommen, benötigen Informationen und Beratung in Bezug auf ihre Rechte auf dem Arbeitsmarkt. Denn nur wer seine Rechte kennt, hat die Möglichkeit, sich auch zu schützen."

Auch Fachpolitiker in der SPD-Bundestagsfraktion erwägen eine Verschärfung der Arbeitsschutzgesetze. "Wir haben 2017 zusätzliche gesetzliche Standards für die Fleischwirtschaft definiert - wenn das nicht reicht, müssen wir auch gesetzlich nochmal ran", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Mast. Es liege auf der Hand, "dass die Wohnverhältnisse der Beschäftigen und das Infektionsgeschehen zusammenhängen". Das Geschäftsmodell der Schlachtbranche beruhe auf "Fremdarbeitern, die in Sammelunterkünften wohnen", sagte Mast. Auch hier seien die Arbeitgeber für den Schutz der Mitarbeiter verantwortlich. "Da kann man sich nicht für unzuständig erklären", sagte sie. Notfalls müsse gesetzlich nachgeschärft werden.

NRW setzt Notfallmechanismus in Kraft

"Profit auf Kosten der Gesundheit darf unsere Gesellschaft nicht länger hinnehmen", sagte Grünen-Fraktionschef Hofreiter weiter. "Es ist seit Jahren bekannt, dass in der Schlachtbranche Ausbeutung an der Tagesordnung ist und die Bosse der Schlachtkonzerne sich oft über Subunternehmensgeflechte aus der Verantwortung stehlen."

Nordrhein-Westfalen hatte als erstes Bundesland den erst am Mittwoch beschlossenen Notfallmechanismus bei einem gehäuften Auftreten von Coronavirus-Infektionen in Kraft gesetzt. Damit werden wieder stärkere Schutzmaßnahmen in Kraft gesetzt. Anlass war das Auftreten zahlreicher Erkrankungen bei Mitarbeitern eines Schlachthofs im Landkreis Coesfeld.

Die Landesregierung nannte die Unterbringung osteuropäischer Mitarbeiter der Schlachthöfe als Problem im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Auch an anderen Schlachthöfen in dem Bundesland wurden vermehrt Corona-Fälle registriert.

Quelle: ntv.de, mli/AFP