Politik

Griff nach der Macht im Norden Günther - Der Unbekannte ist nah am Ziel

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(Foto: dpa)

Lange schien es unmöglich - doch es ist geglückt. In Schleswig-Holstein wechselt die Regierungsverantwortung. In Kiel regiert nun vielleicht ein 43-Jähriger, den im Land längst nicht alle kennen.

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Der Herausforderer wirkt manchmal fast schüchtern, dann wird er Minuten später im Kieler Landtag zum rhetorischen Haudrauf. CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther attackiert unermüdlich den SPD-Ministerpräsidenten Torsten Albig, den er nach der Landtagswahl am 7. Mai ablösen will. "Mich zeichnen Entscheidungsfreudigkeit, Durchsetzungsvermögen und auch Hartnäckigkeit aus", sagte Günther. Er sei auch absolut konfliktfähig. Politische Gegner und Parteifreunde wissen das. Das große Problem Günthers: Viele Schleswig-Holsteiner kennen ihn überhaupt nicht.

Wäre der Ministerpräsident direkt gewählt worden, hätte der 43-Jährige gegen Albig kaum eine Chance gehabt. Dennoch vermittelt Günther den Eindruck, er sei fest vom Erfolg überzeugt. Noch vor einem halben Jahr war er die Nr. 2 der Nord-CDU. Dann löste er den glücklosen Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing an der Spitze ab. Als Fraktionschef, Landesvorsitzender und Spitzenkandidat hat Günther in der CDU die maximale Führungsmacht gebündelt. Zum letzten CDU-Ministerpräsidenten in Kiel, Peter Harry Carstensen (2005-2012), scheint der Mann mit der braven Brille immer noch aufzuschauen, nicht nur ob der Körpergröße des Nordfriesen.

Der CDU-Hoffnungsträger hat sich nach dem Politik-Studium schnell in die politische Praxis gestürzt. Von 2005 bis 2012 war er als CDU-Landesgeschäftsführer auch für Wahlkämpfe zuständig. Im Landtag ist Günther seit 2009, wo er zunächst als Hochschulpolitiker agierte. Der Katholik gilt als organisierter, strukturierter Arbeiter. Gleich nach Übernahme des Fraktionsvorsitzes im Oktober 2014 nahm der ehrgeizige Mann forsch und offensiv die Rolle als Oppositionsführer an.

Bei seinen Angriffen auf die Koalition aus SPD, Grünen und SSW hat er besonders anfangs nicht immer das richtige Maß gefunden. Inzwischen versucht er es gelegentlich auch mit mehr Gelassenheit. Mit Forderungen nach Schweinefleisch in Kantinen und Residenzpflicht für Minister erntete Günther Populismus-Vorwürfe. Im Wahlkampf wettert er gegen marode Straßen und die Windenergie-Ausbaupläne der Regierung. Punkten wird er wahrscheinlich auch mit seiner Forderung, das Abitur wieder auf neun Jahre Gymnasium zu verlängern.

Obwohl bald Mitte 40, hat sich der in Eckernförde lebende Günther etwas Jungenhaftes bewahrt. Der Vater einer kleinen Tochter joggt, liebt Spaziergänge am Meer und wandert mit seinem Vater in den Bergen. Mit Albig teilt er die Leidenschaft für Fußball und Handball.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa

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