Politik

Vom Senat bestätigt Gutmann wird erste US-Botschafterin in Berlin

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Gutmann studierte und lehrte an mehreren Top-Universitäten in den USA.

(Foto: picture alliance / abaca)

Fast zwei Jahre bleibt die Stelle des US-Botschafters in Berlin unbesetzt. Nun übernimmt die von Biden nominierte Politologin Amy Gutmann die Position. Die Uni-Präsidentin mit deutsch-jüdischen Wurzeln will die Partnerschaft zwischen den Staaten vertiefen - hat aber auch Erwartungen an die Bundesregierung.

Für Amy Gutmann wird es eine ganz besondere und symbolträchtige Rückkehr zu ihren Wurzeln. Ihr deutsch-jüdischer Vater Kurt war 1934 aus Nazi-Deutschland geflohen und später von Indien aus in die USA emigriert. Gut sieben Monate nach ihrer Nominierung durch Präsident Joe Biden hat der Senat die 72-jährige Hochschulpräsidentin nun als neue Botschafterin der USA in Deutschland bestätigt. Die renommierte Politikwissenschaftlerin übernimmt damit als erste Frau überhaupt den US-Botschafterposten in Berlin. Vor ihrem Wechsel nach Berlin muss Gutman nur noch vereidigt werden, was als Formalie gilt. Im Senat gab es für sie 54 Ja- und 42 Nein-Stimmen. Vier Senatoren stimmten nicht ab.

Die Präsidentin der Elite-Hochschule University of Pennsylvania in der Ostküsten-Metropole Philadelphia hat immer wieder darüber gesprochen, wie die Geschichte ihres aus dem fränkischen Feuchtwangen stammenden Vaters sie geprägt hat. Der Student hatte seine vier Geschwister und die Eltern angesichts der zunehmenden Verfolgung von Juden zur Flucht aus Deutschland überredet.

"Es ist wahr, dass seine ganze Familie wie vom Erdboden verschluckt worden wäre, wenn er nichts getan hätte", sagte Amy Gutmann 2013 der Zeitung "The Daily Pennsylvanian".

Bei ihrer Bestätigungsanhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats sagte Gutmann im Dezember, ihr Vater habe ihr "eingeflößt", was es bedeute, als "Amerikaner zu führen": "Nie zu vergessen und immer gegen Antisemitismus, Rassismus und alle Formen des Fanatismus und der Diskriminierung einzustehen, sich für Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit, nationale Sicherheit und den Respekt der Würde aller einzusetzen."

Politikprofessorin lehrte an Elite-Universität

Geboren wurde Gutmann im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Sie studierte Politikwissenschaften in Harvard und an der London School of Economics und legte eine glänzende wissenschaftliche Karriere hin. Drei Jahrzehnte lang lehrte sie an der Elite-Universität Princeton, bevor sie 2004 Präsidentin der University of Pennsylvania - kurz UPenn - wurde, die wie Harvard und Princeton zur sogenannten Ivy League prestigereicher Unis im Nordosten der USA gehört.

Die Politikprofessorin hat über Themen wie Demokratietheorie, Identitätspolitik, politische Ethik, Bildung und das Gesundheitswesen publiziert. 2009 ernannte der damalige US-Präsident Barack Obama sie zur Vorsitzenden einer Bioethik-Kommission. 2011 zählte sie das Magazin "Newsweek" zu den "150 Frauen, die die Welt bewegen". Das Magazin "Fortune" kürte sie 2018 zu einer der "50 großartigsten Führungspersönlichkeiten der Welt".

Im vergangenen Juli nominierte Präsident Biden Gutmann dann als Botschafterin in Deutschland. Anstelle eines raschen Umzugs nach Berlin folgte eine Hängepartie: Die oppositionellen Republikaner im Senat blockierten über Monate eine Bestätigung von Gutmann und anderen nominierten Botschafterinnen und Botschaftern. Hintergrund war insbesondere der Streit um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die russisches Gas nach Deutschland bringen soll.

Gutmann nennt Nord Stream 2 "schlechten Deal"

Biden ist zwar ein Gegner der Pipeline, die in der derzeitigen Ukraine-Krise wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Er will das unter seinem Vorgänger Donald Trump gebeutelte Verhältnis zum wichtigen Bündnispartner Deutschland aber nicht mit Sanktionen erneut belasten. Auch Gutmann kritisierte Nord Stream 2 bei ihrer Senatsanhörung: Die Pipeline sei ein "schlechter Deal" für Deutschland und "furchtbar" für die Ukraine.

Die designierte Botschafterin, die mit dem Politik-Professor Michael Doyle verheiratet ist, hob gleichzeitig insbesondere die enge Partnerschaft zu Deutschland hervor. Diese will sie nun von der am Brandenburger Tor gelegenen US-Botschaft aus weiter vertiefen. Dort wird sie eine seit mehr als eineinhalb Jahren bestehende Leerstelle füllen: Bereits seit Juni 2020 wird die amerikanische Vertretung am Brandenburger Tor nicht mehr von einem Botschafter geführt - so lange wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten waren die USA fast 16 Monate ohne Botschafter in Berlin, bis Richard Grenell im Mai 2018 das Amt übernahm. Trumps loyaler Gefolgsmann Grenell, der in Berlin oft mit undiplomatischen Äußerungen aneckte und die Bundesregierung mehrfach brüskierte, kehrte dann nach rund zwei Jahren wieder in die USA zurück. Seither wird die diplomatische Vertretung von Geschäftsträgern geleitet.

Mit Gutmann dürfte zwar ein anderer Ton einkehren als unter Grenell, doch die künftige Botschafterin dürfte ebenfalls deutlich machen, welche Erwartungen die Biden-Regierung hegt. Vor dem Senat kündigte sie unter anderem an, sie wolle die neue Bundesregierung auffordern, das Nato-Ziel von Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen.

Quelle: ntv.de, mbu/dpa/AFP

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