Politik

"Saft- und kraftlos" Gysi kritisiert seine Partei scharf

778b390823f108c5bdb374a3066d75cd.jpg

Wird nicht leise: Gregor Gysi.

(Foto: dpa)

Nunmehr nicht mehr in der ersten Reihe, lässt Gregor Gysi kein gutes Haar an den Linken. Der Ex-Fraktionschef zeigt sich schockiert, dass viele Arme und Arbeitnehmer nun ihr Kreuz bei der AfD machen würden.

Der ehemalige Fraktionschef der Linken-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, hat heftige Kritik am Zustand seiner Partei geübt. Sie sei "saft- und kraftlos", sagte der 68-Jährige dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Laut Gysi sprechen die Wähler seiner Partei "die Gestaltungskraft ab, weil wir auf Bundesebene den Eindruck vermitteln, nicht in die Regierung zu wollen". In Ostdeutschland müsse sie zunehmend die Konkurrenz der rechtspopulistischen AfD fürchten.

"Wir sind im Osten nicht mehr die Protestpartei, eher im Westen", sagte Gysi weiter. "Es schockiert mich, dass auch Arme, Abgehängte und Arbeitnehmer die AfD wählen." Bei der jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt etwa hatte die AfD die Linke vom Platz als zweitstärkste Partei verdrängt.

Gysi hatte den Fraktionsvorsitz im Oktober 2015 abgegeben und ist derzeit einfacher Bundestagsabgeordneter. Die Fraktion führen seitdem Gysis innerparteiliche Konkurrentin Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch.

Für rot-rot-grünen Kanzlerkandidaten

Bereits zuvor hatte Gysi für einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten von SPD, Grünen und Linken plädiert. "Ich kann mir durchaus einen gemeinsamen Kandidaten vorstellen. Der böte eine echte Alternative", sagte Gysi.

Dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel warf der ehemalige Fraktionschef der Linken vor, allenfalls eine Scheinkanzlerkandidatur anzustreben. "Wenn Sigmar Gabriel lediglich Stellvertreter von Angela Merkel bleiben will, sollte er es lieber sein lassen." Der künftige SPD-Kandidat, egal ob Mann oder Frau, müsse die Kraft ausstrahlen, das Amt wirklich zu wollen. Dazu müsse eine Machtoption her.

Allerdings ist ein rot-rot-grünes Bündnis auch bei den Linken alles andere als populär. Vor allem hinsichtlich der Bundewehreinsätze im Ausland oder der Arbeitsmarktpolitik gibt es derzeit große Meinungsverschiedenheiten mit SPD und Grünen.

Quelle: ntv.de, wne/dpa