Politik

"Klamroths Konter" Habeck: Söder vergiftet das politische Klima

Robert Habeck ist zu Gast bei "Klamroths Konter" und beantwortet Fragen über sein Leben als Schriftsteller (schlaflose Nächte), über die Jamaika-Verhandlungen (elend) und die Aussicht auf Schwarz-Grün in Bayern (sehr hohe Hürden).

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat gefordert, dass das private Rettungsschiff Aquarius eine deutsche Flagge bekommt. In der n-tv Sendung "Klamroths Konter" antwortete er auf eine entsprechende Frage mit "Ja".

"Der Skandal ist doch nicht, dass es private Seenotrettung gibt", sagte Habeck. "Sondern der Skandal ist, dass es keine staatliche Seenotrettung gibt. Natürlich kann man sagen, besser wär's, Leute würden gar nicht erst aufs Mittelmeer gehen. Aber es ist nun mal so, dass sie gehen, weil sie nichts mehr zu verlieren haben." Am besten wäre es, die Aquarius würde nicht nur eine deutsche Flagge bekommen, so Habeck, sondern als staatliches Schiff in Betrieb genommen. "Und der Kapitän kriegt einen Beamtenlohn."

Die Aquarius ist das letzte private Seenotrettungsschiff, das derzeit noch im Mittelmeer unterwegs ist. Alle anderen Boote wurden durch Flaggenentziehung faktisch stillgelegt. Dieses Schicksal droht auch der Aquarius: Nachdem das Schiff bereits die Flagge Gibraltars abgeben musste, entzog auch Panama als neuer Flaggengeber die Registrierung.

Hürden für Schwarz-Grün in Bayern "sehr, sehr hoch"

Mit Blick auf die mögliche Bildung einer schwarz-grünen Landesregierung nach der Wahl in Bayern am 14. Oktober äußerte Habeck sich skeptisch. "Die CSU wird alles daran setzen, nicht mit den Grünen zu regieren, und wir werden alles daran setzen, nicht mit Söder zu regieren." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sei "einer der Treiber bei der Vergiftung des politischen Klimas" in Deutschland gewesen, "und das ist nicht vergessen". Für eine Koalition gebe es inhaltliche Hürden, "die sehr, sehr hoch liegen".

Die Beendigung der Jamaika-Sondierungen durch die FDP im vergangenen Jahr hält Habeck für "eine der schwersten Fehlentscheidungen". "So elend diese Jamaika-Sondierungen waren, und sie waren wirklich elend: Dass wir jetzt wieder in einer Großen Koalition landen, ist für das demokratische System und für das Selbstverständnis dieser Republik richtig hart." Eine Folge des Jamaika-Aus war, dass Habeck Grünen-Vorsitzender wurde, eine weitere Folge ein Höhenflug der Grünen in den Umfragen. Auf beides könnte Habeck seinen Worten zufolge verzichten, wenn es im Gegenzug nicht die GroKo gäbe: "Ich würde lieber nicht Parteivorsitzender sein und die Grünen hätten lieber schlechtere Umfragewerte - und wir hätten jetzt eine andere Regierung."

Habeck spricht im Interview mit Louis Klamroth auch darüber, wie sein Leben vor der Politik aussah - er ist erst mit 32 Jahren den Grünen beigetreten. Auf die Frage, ob seine Entscheidung, sich nach Studium und Promotion gegen eine klassische Erwerbsbiografie zu entscheiden, "arrogant" gewesen sei, antwortet er: "Ja." Dann schränkt er ein, diese Entscheidung sei auch "volles Risiko" gewesen. Habeck und sein Frau Andrea Paluch haben zusammen mehrere Bücher geschrieben. "Da kommt eben nicht zu jedem Ersten im Monat irgendein Betrag an, sondern monateweise kommt gar kein Geld an." Wenn ein Buch gut verkauft werde, könne man dafür "zwischendurch ganz gut Geld verdienen". Das habe ihn "ganz schön fertig gemacht, ich hatte echt schlaflose Nächte damals".

n-tv zeigt "Klamroths Konter" an diesem Dienstag um 23.30 Uhr.

Quelle: n-tv.de, hvo

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