Politik

Schicksalsvorwahl für Joe Biden Hält die "Brandmauer" South Carolina?

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Joe Bidens Wahlkampf könnte mit einem Sieg in South Carolina neue Dynamik entwickeln.

(Foto: dpa)

Als er noch nicht einmal erklärt hatte, dass er US-Präsident für die Demokraten werden wolle, führte er bereits die Umfragen an: Joe Biden. Jetzt, fast ein Jahr später, muss der Vizepräsident von Barack Obama um seine politische Karriere bangen. South Carolina entscheidet per Vorwahl. Inzwischen gilt sein Hauptkonkurrent Bernie Sanders als Favorit für die Kandidatur gegen Amtsinhaber Donald Trump im November. Für Biden heißt es in South Carolina: "Do or die".

Warum ist South Carolina wichtig?

Rund 60 Prozent der dortigen Wahlberechtigten sind Afroamerikaner. Das Ergebnis wird zeigen, wie groß unter ihnen die Unterstützung für den gemäßigten Biden wirklich ist, und damit zum Signal für das ganze Land. Die Latinos tendieren derzeit eher zum linken Sanders. "Wenn Biden mit knappem Vorsprung gewinnt, ist seine Wahlkampagne auf der Intensivstation", unkt Obamas Wahlkampfberater für South Carolina 2008 bei der US-Nachrichtenseite "Vox": "Wird er Zweiter oder noch schlechter, war es das für ihn." Bidens Unterstützer, etwa der Abgeordnete Jim Clyburn, hochrangigster Afroamerikaner im Kongress, hoffen auf einen Erdrutschsieg.

Was bedeutet das Ergebnis für das Duell gegen Trump?

Ohne die Unterstützung von Afroamerikanern und Latinos ist ein Sieg gegen Trump im November sehr, sehr unwahrscheinlich. Gemeinsam mit Amerikanern mit asiatischen Wurzeln machen sie ein Drittel der Wählerschaft aus. Ein Erfolg Bidens mit großem Abstand könnte zeigen, dass er sehr wohl Trump schlagen könnte.

Hat Biden sich dazu geäußert?

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Stellte sich offiziell hinter Biden: Jim Clyburn.

(Foto: AP)

Schon lange ist die Erklärung Bidens und die seines Wahlkampfstabs, South Carolina sei seine "Brandmauer" und werde dort sicher siegen. Nach der TV-Debatte in Charleston vor wenigen Tagen wiederholte Biden, er müsse gewinnen; egal wie, und wenn es nur ein Prozentpunkt Vorsprung sei. Tatsächlich könnte die Vorwahl der Auftakt zu seinem Comeback sein, seit 1988 haben bis auf eine Ausnahme immer alle "Black Belt"-Bundesstaaten (South Carolina, Alabama, Tennessee, Georgia, Louisiana) für den gleichen Bewerber gestimmt. Bei den zahlreichen Fernsehauftritten wurde Biden meist eher Trumps Spitznamen für ihn gerecht: "schläfriger Joe". Er fuhr unerwartet schlechte Vorwahlergebnisse ein und schwächelte plötzlich auch bei Umfragen in South Carolina. Dann aber zeigte Biden sich vor wenigen Tagen, als sei er in einen Jungbrunnen gefallen. Angriffslustig und entschieden lieferte er seine mit Abstand beste TV-Debatte ab. Danach ging es für ihn in Umfragen wieder deutlich bergauf.

Ist ein überzeugender Sieg Bidens realistisch?

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Ja, das könnte passieren. Ein kleiner Blick zurück zeigt, wie schnell es gehen kann: Seit einer gefühlten Ewigkeit hatte Biden in landesweiten Umfragen klar in Führung vor Sanders gelegen. Dann kam Iowa, er stürzte in Umfragen ab, schnitt auch in den folgenden zwei Entscheidungen in New Hampshire und Nevada schlechter ab als erwartet. Bidens Umfrageergebnisse gingen national runter und Sanders rückte ihm in South Carolina auf die Pelle. Nach seiner überraschend guten Leistung bei der TV-Debatte liegt Biden nun im Schnitt wieder zwölf Umfrageprozent vor seinem Konkurrenten. Es zeigt, dass die Menschen Biden wählen wollen. Aber sie wollen dafür Leistung sehen.

Haben die anderen Bewerber Chancen?

Es sieht nicht gut für sie aus. Für die meisten wird es darum gehen, in einem der sieben Wahlbezirke des Bundesstaats über die 15-Prozent-Hürde zu springen, denn nur so erhalten sie Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Juli. Dominieren Biden und Sanders, teilen sie sich auch alle Delegierten untereinander auf. Der Milliardär Tom Steyer etwa hat viel Geld in Wahlwerbung in South Carolina investiert, weil das Ergebnis ein Sprungbrett für den Super-Dienstag am 3. März sein kann. Dann wählen 14 Bundesstaaten ihren Wunschkandidaten. Steyer liegt in Umfragen hinter Biden und Sanders, wo er an der 15-Prozent-Marke kratzt.

Wer könnte danach hinschmeißen?

Alle, die in South Carolina keine 15 Prozent erreichen. In landesweiten Umfragen führt derzeit Sanders 29,5 Prozent vor Biden mit 18 Prozent, es folgen Bloomberg (14,7), Warren (12) und Buttigieg (10,3).

Wem würde das helfen?

Mutmaßlich profitiert vor allem Biden davon, wenn sich andere Moderate wie Buttigieg oder Amy Klobuchar zurückziehen. Denn Umfragen haben gezeigt: Je näher sich Wähler in der Mitte sehen, desto wahrscheinlicher, dass sie ihn unterstützen. Je länger es also ein breites Kandidatenfeld gibt, desto besser für Sanders. Er hat ohnehin seine Basis aus jungen und linken Wählern, um die Progressiven insgesamt konkurriert er nur mit Elizabeth Warren.

Hat South Carolina Einfluss auf den Super-Dienstag?

Ja, fraglos, so wie jede Vorwahl auf die folgende. Der Bewerber mit der besten Chance auf eine Direktnominierung hat der Prognose von "FiveThirtyEight" zufolge mit einem Drittel Sanders. Jedoch besteht derzeit eine 50-Prozent-Chance, dass es beim Parteitag im Juli keinen Bewerber mit einer ausreichenden Mehrheit an Delegierten geben wird. Dann würden von der Partei ausgewählte Delegierte eine Entscheidung herbeiführen. Aber South Carolina stellt diese Prognose womöglich vollkommen auf den Kopf. Nicht zu reden vom Super-Dienstag, wenn Michael Bloomberg erstmals eingreift.

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Moment mal, Michael Bloomberg?

Bloomberg tritt auch in South Carolina nicht an, sondern erstmals am Super-Dienstag. Landet der Milliardär aus New York City dann einen Überraschungserfolg, sieht die Vorwahlwelt auch wieder anders aus.

Quelle: ntv.de